28

Good vibes

Zu erzählen hätte er noch so viel aber der Alltag frisst ihn auf, da ist nichts zu machen: Da wäre die Geschichte von dem Stalker, der der Gestalkten – einer Sabine – ein Messer tödlich in das Auge rammte, als sie einmal ein Gespräch zuließ- und wie ein halbes Jahr zuvor mehrere Rettungskräfte den Stalker davon abgehalten hatten, von einer Brücke zu springen.

Lassen Sie es sein Maik, es gibt immer eine Lösung!

…oder zu erzählen wäre von seinem ersten leitenden Oberarzt, der ihm einst über einen jugoslawischen Kollegen sagte, man könne aus

ethnischen Gründen

mit eben dem nicht zusammen arbeiten. Und wie der Oberarzt dann auf eine Kerzenlichtdemo ging, Deutschland sagt nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, und ihn fragte, ob er auch käme, er selbst würde mit seinem Sohn, dem Maik, gehen?

…oder wie er in eine Wohnung gerufen wurde, in der eine junge Frau mit Namen Sabine S. an Konvulsionen litt. Als er eintraf, sah er einen verstörten Mann

ick bin der Maik

ein Terrarium, in dem eine Boa constrictor eine Maus im Bauch verdaute, und eben diese Frau, die sich im Bett hin- und her warf. Ein klassisches Hyperventilationssydrom. Und wie nach den üblichen Maßnahmen die Frau langsam zu sich kam, hypoglykämisch und verlangsamt. Und im Krankenhaus dann vollends wach wurde, verträumt und entrückt in seine Augen sah und fragte:

Wo ist Maik?

Zuvor war den Rettungskräften in der Wohnung noch ein merkwürdiges, ersterbendes Summen aufgefallen, das unter dem Bett seine Ursache zu haben schien. Als sie nachsahen, röhrte dort ein Vibrator mit letzter Akkukraft. Good vibes. Durch den Orgasmus Symptome bekommen.

…und wie ein todgeweihter Patient mit einem inoperablen Hirntumor täglich von seiner frigiden Frau besucht wurde, die jedes Mal in hochgeschlossener Kleidung das Arztgespräch suchte und fragte, wann es denn endlich

besser

würde. Und wie der Patient gelangweilt das Ende ihres frigiden Besuches abwartete, um dann sogleich nach der ritualisierten Verabschiedung mit der Fernbedienung durch die Schmuddelsender zu knipsen, ständig auf der Suche nach Softpornos. Und wie das durch hohe Kortisondosen noch vor dem bösen Ödem bewahrte Gehirn arbeitete, wenn Maik und Sabine in die handcam stöhnten.

Gibs mir! Gibs mir!

Vibes bis zum Ende.

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