Weltkriegslyrik

Im Folgenden der lyrische Versuch eines deutschen Soldaten, der an der Westfront stand. Er wurde später mehrfach verwundet, überlebte und band das Bildungserlebnis erster Weltkrieg ebenso in sein Weltbild ein, wie die Liebe zur Mutter und die Furcht vor dem Vater. Geboren wurde er übrigens in der Vielvölkermonarchie Österreich-Ungarn (das Multikulturelle war aber sonst nicht so sehr seins).

Dieses Gedicht nun handelt von einem verwundeten deutschen Soldaten, der von einem Deutschen und einem Franzosen geborgen wird. Der Händedruck der beiden Soldaten – ist er lyrischer Vorläufer des Händedruckes Kohl/Mitterand bei Verdun?

Hier zunächst ein Ausschnitt des Gedichts:

…..Zwei Männer nahen seinem Schmerzenslager

Ein Deutscher ist’s und ein Franzos.

Und beide betrachten sich mit argwohnscharfem Blick

Und halten drohend das Gewehr im Anschlag.

Der deutsche Krieger fragt:

„Was tust du hier?“

„Mich hat des Ärmsten Hilferuf getroffen.“

„Es ist dein Feind!“

„Es ist ein Mensch, der leidet!“

Und beide senken wortlos das Gewehr.

Dann flochten sie die Hände ineinander

Und hoben sorglich mit gestrammten Muskeln

Den wunden Krieger, wie auf eine Bahre,

Und trugen ihn selbander durch den Wald

Bis sie zur deutschen Postenkette kamen…

Soweit die Lyrik. Nach dem Krieg lebte der Verfasser zunächst in München, sodann in Berlin, wo er auch bis zuletzt in großer Sorge um sein Vaterland starb. Zeit seines Lebens spielte das Wort und v.a. die Rede eine entscheidende Rolle im Leben dieses Kommunikators, aber obwohl zu Lebzeiten ein absoluter Superstar erinnert heute kein Straßenname mehr an ihn.

ZEIT-Bildungsfrage: Wer wars?

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5 Gedanken zu „Weltkriegslyrik

    • Trakel stand nicht an der Westfront. Außerdem überlebte er den Krieg nicht.

      Geboren wurde der gesuchte Lyriker am 20.04.1889 in Braunau am Inn. Die Schule absolvierte er ohne Abschluß. Neben einigen lyrischen Versuchen dilletierte er v.a. als Zeichner. Bekannt wurde auch ein Werk, das er in Festungshaft verfasst hatte und welches seine politische Grundhaltung darlegt. Dieser damalige Bestseller ist bis heute nicht mehr aufgelegt worden. Mehr kann ich nun nicht verraten.
      Von wem stammt das Völkerverständigungsgedicht?

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      • Oh my god.
        Da habe ich mich an etwas von Trakl erinnert – und eigentlich war es der Mann mit Bart. Ich schäme mich nun gar schröcklich furchtbar.
        Nicht schlecht, Herr Specht. Gut aufs Eis geführt.

        Aber ja – der hat sich sehr für Frieden eingesetzt – für seine Art von Frieden, der die Bedingungen fehlten.

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  1. Hätte es kein NS-Reich gegeben, wenn Hitler von der Kunstakademie genommen worden wäre? Wäre dann ein Expressionist aus ihm geworden? Hat seine Rache an der „Entarteten Kunst“ damit zu tun?

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    • Die Fragen zielen auf einen ziemlich wesentlichen Punkt in der Biographie Adolf Hitlers: Nämlich auf die narzißtischen Kränkungen, die ihm z.B. die ablehnende Kunstakademie und die Schule beigebracht haben. Eine weitere narzißtische Kränkung jedoch halte ich für noch wichtiger, v.a. weil Hitler sie mit einem Großteil der damaligen deutschen Gesellschaft teilte: Die narzißtische Kränkung des verlorenen Krieges. Hierauf ist dann ja wie bekannt reagiert worden. Freilich: Erklärt dieser Pathomechanismus allein das enthemmte Ausleben solcher Wahnvorstellungen? Eine ganze Gesellschaft enthemmt sich in Kleinbürgermanier wegen einer narzißtischen Kränkung?
      Sicherlich ist das nicht ganz verkehrt. Und sicherlich haben solche gesellschaftspsychologischen Aspekte in meinem Denken einen großen Stellenwert (da zeigt sich der frühe Freudianer, der Thomas Mann-Leser allemal und von der Vorlieben der Jugend kommt ja keiner so recht los) nur renne ich jetzt mal offene Türen ein! Allein können sie natürlich eine geschichtliche Dynamik nicht erklären. V.a. soziale und wirtschaftliche Gesichtspunkte dürfen keinesfalls vergessen werden. Im konkreten Fall bedeutet das eine damals noch sehr zementierte Schichtung der Gesellschaft, die dann der Nationalsozialismus aufbrach (bei uns kannst Du aufsteigen, Volksgenosse!) sowie natürlich die Weltwirtschaftskrise. Alles drei, der verlorene Krieg nebst sog. Schandfrieden, die undurchlässige Schichtung der Gesellschaft und die wirtschaftlichen Probleme wurden ja von den Nazis der Demokratie direkt in Rechnung gestellt. Und diese Propaganda traf eine sehr gekränkte und deswegen(?) eine für den völkischen Wahn sehr aufnahmewillige Gesellschaft. Zugleich waren die Antworten der Nazis vielen als Reaktion auf die als unerträglich empfundenen Zumutungen der Moderne plausibel, ein Motiv, das mit den oben Genannten nicht im Widerspruch steht. Die Demokratie war neu und mit dem Neuen kam die nationale Kränkung, die Wirtschaftskrise und die versprochenen Aufstiegschancen hat die Demokratie auch nicht eingelöst. So in etwa.
      Ein erschöpfendes, nie erschöpftes Thema und für den Kommentarteil in einem kleinen Blog vielleicht ein wenig zu groß. Aus der Frage nach dem abgelehnten Kunstmaler wurde ziemlich schnell die Frage nach dem Wahnmotiv des nationalsozialistischen Zeitalters an sich.

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