Blogferien

Eingedenk der Tatsache, dass ich noch nicht die stabilen „Zugriffe“ wie andere Blogger habe, leiste ich mir doch eine zwei- möglicherweise dreiwöchige Pause, die zweifellos die Abrufstatistik wieder nach unten zieht.

Seis drum: Ohne Netz und doppelten Boden, gewissermaßen entwirrt von den retikulären Verstrickungen will ich die Baltische Schönheit genießen. Zunächst in Polen in der Nähe zu Günter Grass (Danzig) und Alfred Döblin (Stettin) – sodann an der Lübecker Bucht mit Thomas Mann als Schattenspender.

Aber es gibt noch andere Gründe für mein befristetes Netzschweigen: Mich beschäftigt schon länger eine größere literarische Sache, die auch hiermit zu tun hat, deren lange Gärung also durch einen aktuellen Anlass nochmals katalysiert worden ist.

Es ist eine Arztnovelle, mithin eine Todesnovelle. Die Macht des Stoffes und der Ruf an die Nacht stehen zentral in ihr. Sehnsucht drückt sich ja immer in der Form aus, der Stoff hingegen macht lediglich süchtig. Und der Stoff also die Sucht wird immer den schnelleren Erfolg, die kürzere Befriedigung versprechen und deswegen immer die Sehnsucht töten. Das gilt durchaus auch literarisch: Gegen den süchtigmachenden Stoff eines knalligen, von der Leber weg geschriebenen Thrillers kämpfen „Götter selbst vergebens“. Über einen Verhafteten, der es nicht einmal bis zum Gericht schafft, triumphiert Stephen King. Und schon Herr Vulpius war gemessen an der Auflagenzahl erfolgreicher als sein Schwager. Die Sucht ist eben roher und stärker als die Sehnsucht, aus der sie dennoch stammt.
Arbeitstitel: Fuckin‘ desire.
Wie immer wenn ich einen literarischen Text verfasse, wird auch diesmal die erste Fassung in königsblauer Tinte geschrieben. Frei nach dem Doppel-Null-Agenten: Geschrieben nicht getippt!

Einen schönen Gruß an die treuen Leser, ich melde mich wieder, wenn meine Wertheriade als Rohfassung vorliegt. Sollte ein Kommentar mal „hängen“ bleiben, wird dies bitte nicht als Zensur gewertet.

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7 Gedanken zu „Blogferien

  1. Nun sind also nicht nur unsere Autos, sondern ebenfalls unsere Ärzte in Polen. Guten Urlaub Dir und die verdiente Erholung. („Reisen Sie nach Polen. Ihr Auto ist bereits dort“, lautet der Slogan des polnischen Tourismusverbandes. Und mein Lieblingswitz gleich mit dazu: Wie nennt man eine Mischung aus einem Polen und einem Italiener? Jemand, der zu faul ist Autos zu klauen. Aber genug der Ressentiments. Ich darf das zudem, da in meinen Adern zu einem Viertel polnisches Blut fließt. Meine Urgroßmutter sprach perfekt polnisch, eine Kaschubin aus dem Buche.) So ʼne lange Blogabwesenheit können sich halt nur die Mediziner leisten. Viel Schreibinspiration zudem – wobei diese meist der einfachste Teil ist. Schwieriger wird es bei den Konstruktionen und beim Kampf um die Form.

    Sehnsucht ist sinnlos und meist nicht selig. Sucht hingegen wirkt produktiv.

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  2. Sucht könnte ja durchaus vom Wort Suchen stammen. Man sucht nach etwas. Da könnte man dann auch die Sehnsucht als gesteigerte Form der Suche betrachten oder als Vorstufe dazu…das Sehnen nach der Suche….oder aber die Suche wandelt sich in der Sucht zum negativen, da man in der Suche dabei gefangen bleibt und nicht zum Finden überwechselt…ja,ja…..einen schönen Urlaub!

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  3. Gelbsucht, Wassersucht, Fallsucht – das etymologische Wörterbuch klärt darüber auf, dass ‚Sucht‘ – mittelhochdeutsch ‚Suht‘, später ’siech‘ – soviel wie „krank sein“ bedeutete. Der Sehnsucht mag eine Suche zugrunde liegen, und dies mag krankhafte, süchtige Züge annehmen. Denn das sich Sehnen ist in der Tat wert- und zwecklos. Können wir aber die Krankheit als eine andere Suche verstehen denn als die Krankheit zum Tode?

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    • PS, ich vergas: Natürlich eine schöne, freie Zeit wünsche ich Dir ! Dein locker und unbefangen bzw. selbstbewusst hingeschriebener Urlaubsgruß mit Traute zum irrationalem Rest macht mich überdies optimistisch, dass sich Deine vorgenommene Arbeit sich gut entwickeln wird. Grüße also, zigg.

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      • Die Schwindsucht wäre noch zu nennen, die Krankheit, deren Folge ein Verschwinden des Körpers bedeutet, ein altes Wort für die Tuberkulose. Geht das Verschwinden schnell, so spricht man von der galoppierenden Schwindsucht. Andererseits bringt das Verschwinden des Körpers auch den sonst schweigenden eigenen Körper in den Wahrnehmungsfokus. Die Tbc, eine wahrlich philosophische Erkrankung, die dazu führt, dass man erst durch die drohende Nichtexistenz die eigene Existenz erfährt.

        Der Chirurg Nissen postulierte mit dem Verschwinden (SCHWINDEN!) der Tbc auch das Ende der geistig ausgerichteten und das Aufkommen der technokratischen Medizin – offenbar ein Zauberbergleser.

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