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Die Langeweile der öffentlichen Erregung

Es gibt Banalitäten der öffentlichen Empörungsindustrie, die lohnen kein Wort. Andere öffentliche Erregungen wiederum verleihen einem Thema Flügel, das sehr wohl ein Wort und oftmals sogar mehr als nur eines verdient. Hierzu ist das komplexe Thema Einwanderung zu zählen.

Die meisten öffentlichen Aufreger aber liegen irgendwo dazwischen, sind nicht gänzlich unwichtig aber in ihrer Bedeutung zu gering, um etwa ganze Bücher darüber zu verfassen (und es passiert dann doch!). Ein Artikelchen auf einem Literaturblog ist aber meistens „drin“.  Dazu zählt das leidige Thema Plagiat, z.B. in Doktorarbeiten. Und wenn man die letzten Jahre ein wenig genauer untersucht, dann kommt man schnell zur Ansicht, dass der Pendelschlag in einigen Fällen sogar in Richtung wichtig geht. Was aber mit den Dissertationen an sich nichts zu tun hat.

Der unmittelbare Anlass nämlich – ein Plagiat in einer Doktorarbeit –  ist meistens banal, so wie jetzt auch: Es hat bekanntlich Deutschlands Übermutter/frau/ministerin erwischt. Vroniplag ist fündig geworden. Es handelt sich bei genauerer Betrachtung um Plagiate in Form von irgendwo her gemopsten Formulierungen, die im Text nicht mehr sind, als das Summieren  bereits erhobener Befunde. Mhh unschön, aber noch kein Ergebnis- oder Ideenklau oder gar eine Ergebnisfälschung, alles Vergehen, die in einer naturwissenschaftlichen Dissertation weitaus schwerer wiegen als das reine Sprachplagiat in den einleitenden Worten. Und genau das ist bis dato – 30.09.2015 12:25 – zu konstatieren: Dieser wissenschaftliche Betrug findet sich bei von der Leyen nicht. Es sind Sprach- nicht Ergebnisplagiate und keine Ergebnisfälschungen, die zur Diskussion stehen. So weit, so schlecht, so langweilig.

Die nächste Langeweile ist das Thema medizinische Dissertation an sich: Die meisten sind unerheblich und erst Recht diejenigen der damaligen Zeit. Es sind bessere Diplomarbeiten, manchmal stimmt nicht ein Mal das Adjektiv. Sie wurden und werden nebenher produziert und der einzige Sinn dieser Arbeiten bestand und besteht in dem gewünschten Effekt der Namensverlängerung. Eine solche Arbeit hat von der Leyen vorgelegt und sie ging durch, wie tausend andere auch. Eigentlich sind sie das Papier – heute den Speicherplatz – nicht wert, auf dem sie stehen, resp den sie verdrängen. Wer das ändern will: Bitte sehr! Es gibt dazu bereits viele Vorschläge. Einen medizinischen Titel für jeden in Form einer obligat einzureichenden Diplomarbeit. Und wer doktoren will, macht den Dr. rer. nat., der dann aber dauert. So in etwa war es in der DDR, und das könnte der Grund sein, weswegen dieser an sich ja so vernünftige Vorschlag bisher keine Mehrheit fand. Also wie gesagt: Bitte sehr: Viel Raum für Engagement! Man hatt aber zu wissen, dass das zu durchbohrende Holz dick ist und man sollte sich die Frage stellen, ob das lohnt…

Bei einigen „Fälschern“aber mutierte das banale Thema wie oben schon angedeutet doch zum Erreger, zum wichtigen Thema. Es geht um Korruption, um Pfründe, um Privilegien und zwar bei zu Guttenberg und bei von der Leyen. Die haben nämlich nicht an irgend einer Hochschule „promoviert“, sondern jeweils an derjenigen, an der die Väter ungeheuren Einfluß hatten. Zu Guttenbergs Vater war Großspender für Bayreuth, von der Leyens Vater als Ministerpräsident von Niedersachsen oberster Dienstherr der MHH (Medizinische-Hochschule-Hannover). Es spielt dabei auch keine Rolle, dass Ernst Albrecht Mitte 1990 – dem Jahr der Arbeit – von einem ehemaligen Jungsozialisten abgelöst worden ist. Die Annahme der Arbeit erfolgte vorher, der Aufwand für eine solche Nebenherarbeit ist auf mindestens 1 Jahr Teilzeit zu taxieren. Also war Vater Albrecht der mittelbare Vorgesetzte des Gremiums, das über von der Leyens Arbeit zu entscheiden hatte. Hoppla! Da wird de Sach‘ dann doch ein wenig korrupt und es bleibt für mich ein Mal mehr eine Forderung übrig: Bei solchen unbestreitbaren Zusammenhängen hat die Beweislast sich umzukehren. Nicht die Korruption muß bewiesen werden sondern das Gegenteil! Die relevante Frage lautet: Ist das Urteil über die Dissertation jenseits der Korruption erfolgt? Und wenn ein zweifelsfreies „Ja“ nicht möglich ist, dann hätte Frau von der Leyen eben woanders promovieren müssen. Mir kann keiner erzählen, dass das bei ihren finanziellen und familiären Voraussetzungen nicht möglich gewesen wäre. Hat sie nicht getan. Sie ist den bequemen Weg an „Papis Hochschule“ gegangen. Ihre Sache – nur: Auf Privilegien gibt es kein Menschenrecht, man kann sie annehmen oder nicht. Wenn man es tut, muß man mit den Konsequenzen eben leben. Basta! (kommt auch aus Niedersachsen).

Dennoch bin ich der Meinung, dass es bei Frau von der Leyen mit einer Rüge getan ist. Warum? Nun, sie hat wie gesagt nicht das wissenschaftliche Ergebnis gefälscht oder gestohlen, sondern sich lediglich Formulierungshilfe in Form plagiierter Sprachversatzstücke besorgt. Und, ganz wesentlich: Sie hat „cum laude“ promoviert, hat sich also nicht als Papis Tochter wie der freche Baron aus dem Frankenland ein freches „summa cum laude“ abgeholt. Da war damals nichts zu retten. „Summa cum laude“ für das Abkupfern von FAZ-Leitartikeln, das war dann doch zu peinlich. Frau von der Leyen wollte schlicht den Titel und wäre mit „rite“ wahrscheinlich auch zufrieden (und gut bedacht) gewesen. Mehr nicht! Wenn sie es braucht in drei Teufels Namen: Soll sie diesen verfi… alsogut diesen blöden Titel doch behalten!

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