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Blut

Blut – so Paselke – ist ein besonderer Saft aber es gibt kein besonderes Blut. Es gibt nur besondere und vor allem besonders schwierige Entnahmen. Mit diesem polemischen „Wissen“ ging er zu einem frisch operierten Patienten, dessen Blutwerte postoperativ zu kontrollieren waren.
Paselke punktierte in selbstbewußter Zuversicht konventionell eine Vene in der Beuge. Doch schon nachdem ein Röhrchen stockend langsam sich gefüllt hatte, versiegte die Quelle und die Beuge wurde dick und blau. Drei Röhrchen sollten es aber sein, das bedeutete er mußte „nachstechen“. Er entschuldigte sich wegen der Unannehmlichkeit, die dieses erneute Stechen bedeuten würde. Das käme halt manchmal vor.

Ach Doktor, egal. Nur ick dachte det iss wie im Fernsehen: Eene Blutzelle reicht und schon weeste, wo ick wohne.

Das Zwinkern im Patientenauge verriet Paselke ein Mal mehr, dass „de Leut“ nicht halb so doof sind, wie manche seiner adelig-elitär, blaublütig empfindenden Kollegen meinen. Und er zwinkerte zurück.

Ick wes doch, wo Se wohnen. Mal sehen, ob es das Blut uch wees.

Meen Blut wees det Doc! Janz bestimmt, sie müssen nur treffen.

Die Werte waren dann allesamt unauffällig gewesen, der Patient konnte bald nach Hause entlassen werden. Sein Blut hatte das vor allen anderen „gewußt“- es ist eben ein besonderer Saft….

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