Winston is back!

Ein Zitat, das annähernd 50 Jahre alt ist. Es behandelt die beiden britischen Politiker Neville Chamberlain und Winston Churchill und mit ihnen die Frage, wer von den beiden die klarere Sicht auf die politische Entwicklung Europas in der zweiten Hälfte der 30er Jahre gehabt hatte.
Der Verfasser führt zunächst sinngemäß aus, dass der knochentrockene Chamberlain mit seiner kalkulierten Politik gegenüber einem wiedererstarkten Deutschland nach allen Regeln der Politikkunst eigentlich recht haben mußte und damals auch so gesehen worden ist: Als Peacemaker, als jemand der kühl-kalkulierend Deutschland da entgegen kam, wo es England eigentlich nicht in der Substanz erschüttern konnte.
Nicht unwesentlich dabei war Chamberlain das Wissen, dass England sich den gewonnenen ersten Weltkrieg eigentlich schon nicht hatte leisten können, und dass ein zweiter – egal wie er ausgehen würde – Englands Ende als Weltmacht bedeuten würde. Womit er dann ja auch diesbezüglich zumindest recht behalten hatte.
Also größtmögliche Gerechtigkeit für Chamberlains Position. Und sie war, was heute gerne vergessen wird, die Mehrheitsposition im England der Dreißiger Jahre.
Chruchill sah es bekanntlich ganz anders und isolierte sich damit zusehens: Er sah eine große Katastrophe auf Europa zurollen, die durch die Appeasementpolitik nicht zu verhindern sei und wurde deswegen als Apokalyptiker belächelt, wurde deswegen nicht ernst genommen. Aber bekanntlich hatte er dann schließlich ebenfalls recht behalten.
Und nun das wörtliche Zitat, wortwörtlich deswegen, weil man es einfach nicht besser ausdrücken kann, verbunden mit der Frage: Von wem?

„Was war es, das ihn recht behalten ließ? Was sah Churchill richtig, das der soviel schärfer und genauer kalkulierende Chamberlain falsch sah oder überhaupt nicht sah? Die Antwort besteht in einem einzigen Wort, einem einzigen Namen: Hitler.
Hitler kam in Chamberlains Kalkulationen sozusagen nicht vor. An der Stelle, die Hitler einnahm, stand für Chamberlain eine Abstraktion: ein deutscher Staatsmann, der die Möglichkeiten und Interessen seines Landes genau so nüchtern und rational durchkalkulierte wie Chamberlain die des seinen. Mit einem solchen Partner konnte Chamberlains Politik eigentlich nicht fehlgehen. Mit Hitler als Partner hatte sie keine Chance.
Hitler war nicht nur ein Mann, der Entgegenkommen automatisch als Schwäche und Feigheit auffaßte, die zu Fußtritten einlud. Er war ein Mann, der Kriege um des Krieges willen wollte – oder, genauer, um der biologischen Revolution willen, die sein eigentliches Ziel war und die nur im Krieg möglich wurde. Er war auch kein Staatsmann: Er dachte nicht in Staaten, sondern in Rassen. Die Interessen Deutschlands, die Chamberlain so sorgfältig in seine Rechnung einsetzte, waren Hitler im Grunde gleichgültig, wie er am Ende, 1945, selbst offen aussprach. Deutschland war ihm das Werkzeug, mit dem er seine persönliche Art von Weltrevolution ins Werk setzen wollte: die Ausrottung der Juden, die Versklavung der Slaven, die Züchtung einer neuen Herrenrasse.
Alles das lag völlig außerhalb von Chamberlains Fassungsvermögen. Eine Erscheinung wie Hitler war für ihn gänzlich unverständlich und eigentlich undenkbar……“

Deswegen sind solche Erscheinungen wie Hitler – aber man kann auch IS statt dessen einsetzen – mit politischen Begriffen nicht faßbar, obwohl sie hoch politisch wirken und handeln. Und nun sieht man, dass mein kleines Ratespiel mit Paris zu tun hat. Denn mit diesen Radikalen kann man nicht ausgleichend, abwägend, aufeinander zugehend kommunizieren. Da ist kein Resonanzraum für Ausgleich und Verständnis. Chamberlain würde auch hier scheitern.

Am 03.09.1939 mußte England Deutschland nach dessen Überfall auf Polen den Krieg erklären. Appaesement war am Ende. Selbigen Tages kehrte Churchill in die Regierung zurück, zunächst als erster Lord der Admiralität. Die Admiralität signalisierte an alle Kriegsschiffe der Royal Navy: „Winston is back!“

Es ging nicht anders!

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