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Philosophie

Zahnkrank fuhr Paselke Silvester Notarztwagen. Sein erster Patient war ein junger Mann, der angeboren massiv zerebral beeinträchtigt war, der nicht sprechen, nicht nachvollziehbar kommunizieren und nicht willentlich handeln konnte. Er hatte weiterhin Probleme bei den einfacheren Tätigkeiten wie etwa dem Schlucken, was zu immer wiederkehrenden Aspirationen führte und in der Folge zu teilweise ausgedehnten Lungenentzündungen.
Das war nun erneut geschehen und Paselke fuhr mit der Rettungassistentin Sandra den Patienten ins Krankenhaus. Sandra erzählte auf der Fahrt von einem Freund, der nach einem Unfall körperlich ähnlich schwer betroffen ist, ab Halswirbel 4 abwärts gelähmt, was bedeutet, dass neben dem kompletten Funktionsverlust der Beine auch die Arme deutlich in der Bewegung und der Kraft eingeschränkt sind. Dazu Sprachstörungen, da überdies eine unfallbedingten Hirnblutung vorgelegen hatte. Aber klaren Kopfes, somit sich seiner beschissenen Situation bewußt. Sandra schaute dann, nachdem sie die Geschichte erzählt hatte, auf den luftnötigen Patienten vor Ihnen und sagte:

Er leidet auch, aber er philosophiert wenigstens nicht!

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