Aus Paselkes Kindheit

Paselkes erste Religionslehrerin war eine ihre Mutter pflegende, alleine lebende Lesbe, die dem damaligen Stand der gesellschaftlichen Aufgeklärtheit entsprechend niemals Hand in Hand mit ihrer Sehnsucht durch ihre Heimatstadt laufen konnte. Statt dessen Gott.
Den Kindern – egal welcher Konfession – erzählte sie vom liebend strafenden Herrn.

-Für Gott sind wir nur ein Atemzug, weniger als ein Hauch. Er hält uns Winzlinge in seiner schützenden Hand, weil er uns liebt!

Paselke wunderte sich noch, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen der körperlichen Größe einerseits und der Zeitempfindung bzw. der Atemfrequenz anderseits gab. Da schloß sie schon ihre gegen die Klasse ausgestreckten, geöffneten Hand zur Faust. Und in ihren tränensackgerahmten,  geröteten Augen sah man den ebenso freudig-erregten wie bangen Wunsch, dereinst – wenn die Zeit sich dehnt – auch in Gottes großer und gütiger Faust zu liegen. Mit den Worten

-Seiner Gnade dürfen wir gewiss sein!

endete ihre religiöse Belehrung und neben den Händen schlossen sich nun auch für wenige Sekunden – für einen Atemzug nur – ihre entzündeten Augen.

 

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