Merkel muss weg!

Die hat schließlich vor 18 Jahren die Geburt des Täters nicht verhindert. Die war doch mal Familienministerin, oder? Wie kommt der Kerl eigentlich dazu, geboren zu sein und dann auch noch akzentfreies Deutsch zu reden? Die Schwein! Mittie dunkle Augen! Und so! Und überhaupt: Das ganze Kaffapack da unten soll bleiben, wo es nicht herkommt!

Deswegen ganz klar: Merkel muss weg! Und alle anderen, teddybärverteilenden Gutmenschen auch.

(Die genaue Ursachenaufarbeitung des Münchener Anschlags durch Hobby-Kriminologen der AfD gibt es übrigens unter #merkelsommer auf twitter.)

 

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7 Gedanken zu „Merkel muss weg!

  1. Merkel muß wegen mindestens zwei Dingen weg: Ihre Unterstützung von Georg W. Bush beim völkerrechtswidrigen Irakkrieg, der auf einem Lügengerüst basierte – was man ohne große Mühe auch 2003 hätte wissen können. Daß Merkel für diesen Krieg Partei nahm und sogleich eine Reise zu Herrn Bush tat, wird von Zeitungen merkwürdig unerwähnt gelassen, und zwar in Kontinuität. Hätte sich so etwas ein SPD-Kandidat geleistet (von Wagenknecht ganz zu scheigen), wäre das Dauerthema oder würde zumindest immer wieder fein eingestreut.

    Und zweitens muß sie weg, weil sie klammheimlich und ohne große Worte das TTIP-Abkommen durchsetzen will. Auch darüber, daß Merkel dieses Abkommen massiv befürwortet und für ihre Buddies in den USA durchzieht, wird in den Zeitunge leider wenig berichet. Und ich verwette meine Weinsammlung darauf, daß auch im Wahljahr 2017 die einschlägigen Medien über ihre Haltung nicht schreiben werden. Dabei bedeutet TTIP einen der massivsten Eingriffe in die Demokratie der BRD, wenn man dem glauben darf, was bisher aus den unter Verschluß stehenden Verhandlungsklauseln durchsickerte. Merkel und die ihren ziehen hier aber das Schweigen vor. Aufgabe der Medien wäre es, hier Öffentlichkeit und Diskurse zu erzeugen. Das tun sie aber nicht.

    Ihre läppische „Wir-schaffen-das“-Rede ist da eher eine läßliche Sünde. Besser wäre es freilich gewesen, wenn sie – auch gegen die USA – zusammen mit Putin, der EU (sprich Frankreich) und Assad eine Lösung für den Syrienkonlikt angegangen wäre. Denn Flucht verhindert man immer noch am besten, indem man Frieden in einem Land schafft und nicht indem man Widerstandsgruppen stärkt, die noch schlimmer als Assad sind.

    Gegen Merkel ist Kohl ein guter und weiser Staatsmann gewesen. Sehr viel gefährlicher als Kohl ist Merkel auch deshalb, weil sie so wenig polarisiert und durch ihr Wegschweigen Hochbrisantes neutralisiert. Da, wo öffentliche Diskurse nötig wären, herrscht Schweigen oder es wird auf irgendwelche Nebenschauplätze ausgewichen. Wenn man manche ARD-Tagesthemenberichte über eine CDU-Tagung schaut, könnte man meinen, eine Huldigungssendung der ak zu sehen, wenn Honecker Parteitag hält.

    Zum Hochschreiben von Merkel durch die Presse äußerte sich in der „Zeit“ jemand, der der Nähe zu Pegida und den Lügepresse-Rufen eher unverdächtig ist, nämlich Jürgen Habermas:

    http://www.zeit.de/2016/29/eu-krise-brexit-juergen-habermas-kerneuropa-kritik

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      • Sie hat ganz sicher nicht das Wetter gemacht, aber sie hätte sehr viel deutlicher auf die Rolle der USA in diesem Konflikt hinweisen und die USA in puncto Flüchtlingen stärker in die Pflicht nehmen müssen. Da auch die BRD im Syrienkrieg ihren Anteil hat und auf Eskalation setzte, trägt die Außenpolitik der BRD insofern ihren Teil zur Flüchtlingskrise bei.

        Der Tweet #merkelsommer ist natürlich schwachsinnig, und es steht dort dummes Zeug. Zumal es alle vier Jahre Wahlen gibt und es den Menschen freisteht, statt der CDU eine andere Partei zu wählen. Und noch sind wir ja nicht in der Ukraine, wo die Bevölkerung einen rechtmäßig gewählten Präsidenten wie Janukowytsch einfach wegputscht. Auch zu diesen Ereignissen verhielt sich Merkel möglichst schweigsam. Ich möchte doch mal den umgekehrten Fall sehen, wenn eine Million Pegida- und AfD-Anhänger plötzlich das Bundeskanzleramt stürmen und Polizisten in Brand stecken.

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      • Mal sehen, vielleicht ist dieser psychotische 18-Jährige ja noch irgendwann auf eine salafistische website gerutscht, dann ist es „bewiesen“: Islamistischer Terror.
        Ich vermute ja wieder einmal den Stoff, aus dem die Albträume sind…

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    • Nun triumphiert die Linke im aktuellen „Who is to blame“-Spiel! Klammheimliche Freude darüber, dass dieser 18-Jährige Gestörte offenbar eher bei den Nazis als im Islam angedockt hat, um mit seinem wirren Kopf klar zu kommen.

      Mir kommt dabei manchmal der Gedanke, ob solche Diskursterroristen (Linke, AfD, PEGIDA, Antifa) nicht eine ähnliche Wirrnis im Kopf haben wie die Täter selbst.

      Ich jedenfalls bleibe dabei: Breivig, Orlando, Nizza und nun München und Tokio. Das Gemeinsame dieser Taten ist nicht zu übersehen. Psychisch Labile docken irgendwo an, um eine ideologische Stärkung für einen sie erlösenden, erweiterten Suizid zu finden.
      Denn nichts anderes ist ein Amoklauf. Ein erweiterter Suizid, eine Tat, die dem Leiden ein Ende setzt, allerdings vorher noch dem vermeintlich Schuldigen, der Welt nämlich (manchmal der Familie), einen verpasst. Ein paar „Schuldige“ kann man immer mitnehmen, so denkt es im Amokläufer…

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  2. stimmt natürlich, dass Merkel eine Meistern des Verschweigens und geflissentlichen Darüberhinwegsehen ist. Diese Methode hat ohne Zweifel einen einschläfernden Effekt. Während bei Kohl, der wenigstens noch polarisierte – eine Tugend, die man ihm, da stimme ich zu, wenigstens noch zuschreiben konnte -, es damals noch (in der Titanic) hieß: „Was plant der Irre als nächstens?“, erschöpften sich die TV-Diskussionen bei Merkel in Deutungen, Kaffeesatzleserei ihrer Entscheidungen, was wohl dahinterstecke, welchen Plan sie wohl hätte und dergleichen mehr. Kaum mehr Gelegenheiten, Argumente pro und contra gegeneinander abzuwägen, eine Übung, die ich mir immer mal wieder ganz gerne verordnete, mein kleines Privatvergnügen, einfach einmal zu überprüfen, ob und inwiefern in der Politik noch so etwas wie ein „rationaler Diskurs“ stattfindet oder jedenfalls möglich wäre, und, wenn ja, ob es dann Gelegenheiten gebe, selber zu einer begründbaren Meinung zu gelangen. Eigentlich eine nette Freizeitbeschäftigung, mit dem Vorteil, dass dadurch der Verstand etwas in Übung bleibt. Gelegenheit dazu gaben aber in zunehmende Maße lediglich Diskussionen, die außerhalb der eigentlichen politischen Sphäre stattfanden. Zuletzt dann nur noch, wie gesagt, Vermutungen, Deutungen, vage Zuschreibungen usw., was die Langweilerin sich dabei wohl möglicherweise gedacht haben könnte. Es handelt sich um ein sträfliches Unterlaufen und Außerkraftsetzen der Regeln des politischen Spiels jener Spielverderberin an der Spitze: die erste Maxime scheint zu lauten: Langeweile verbreiten, einschläfern!

    Um eine interessante Diskussion zustande zu bringen, müssten /mussten immer jeweils erst die unterschiedlichsten Implikationen des von Merkel Verschwiegenen hervorgekramt werden, siehe TTIP, um eine diskussionsfähige Position erst zu rekonstruieren, dasselbe für Gegenpositionen, und damit be-gründbare Positionen oder Meinungen verbalisiert werden können, muss eine Art rationaler Diskurs z.B. in der Phönix Runde erst umständlich simuliert werden – alles nur, damit das politische Spiel nicht den letzten Reiz verliert. Und das ermüdet natürlich. In diesem Sinne war Kohl wenigstens kein Spielverderber. Hier stimme ich zu.

    Bevor es also dazu kommt oder kommen konnte, dass Merkel „hochgeschrieben“ wird, greift eine gegenüber auf diese Weise ausgebooteten möglichen Mitspielern, als welche uns zu betrachten wir zumindest im Sinne „politischer Schönheit“ ein Recht haben, unfaire Einschläferungstaktik.

    Die Folge von all dem ist natürlich gewesen, dass selbst das „Hochschreiben“ Merkels demselben Langweilertum entsprang, einem wohlfeilen Herumgemeine ins Trübe hinaus; da konnte jeder mal mitmachen. Ist das Spiel aus, naja, kann man ja mal ein paar gymnastische Luftübungen machen! Der Optativ, über welchen Modus in den politischen Kommentaren des Herrn von Norpois sich bereits Marcel Proust lustig machte, konnte wieder Einzug erhalten. Ein Optativ allerdings, der bei Norpois durchaus eine beschwichtigende-schönrednerische Funktion hatte.

    Ich komme also zu einem ganz ähnlichen Ergebnis wie Habermas; wie ich jetzt lese, spricht er, nicht verwunderlich, unvergleichlich pointierter, von einer „Verabreichung von Tranquilizern“, vom „Schaumteppich der Merkelschen Politik der Einschläferung“, die, wie er sich fragt, sich möglicherweise nicht „ohne eine gewisse Anpassungsbereitschaft der Presse über das Land hätte ausbreiten können“. Der gedankliche Horizont schrumpfe, wenn nicht mehr in Alternativen gedacht werde. (Er spricht nicht von „hochschreiben“.)

    Erneut Habermas, Hegels Wort in Erinnerung rufend: Es handele sich – bei der SPD – um eine „Kammerdienerperspektive“ auf die nächste Bundestagswahl – die mediale Öffentlichkeit scheint sich für eine solche rein dienerische Funktion entschieden zu haben. Hat sie sich „einschläfern“ lassen?

    Antwort: Nein ! Denn urplötzlich hatte man sich allem Anschein nach umentschieden, wer jetzt „hochzuschreiben“ ist.

    Der Slogan „Merkel muss weg!“ wird nämlich, anstelle auf ein angebliches „Hochschreiben“ Merkels zu reagieren – welches letzteres verhältnismäßig harmlos genaugenommen durch ein gewisses „Hochschweigen“, wie ich es nenne, die Merklesche Politik der Einschläferung durch unkritisches Dulden lediglich unterstütze -, von einem Ressentiment von AFD und Consorten gegen Merkles sogenannte „Einwanderungspolitik“ gespeist, während hier – umgekehrt ! – die AFD durch die öffentlichen Medien in eklatantem Ausmaße „hochgeschwiegen“ worden ist!

    Es tut, wie es scheint, Not, dies einmal klarzustellen: Merkel hat in Sachen „Flüchtlingskrise“ einfach a l l e s r i c h t i g g e m a c h t! Dass dies durchdrang, musste offensichtlich unter allen Umständen vermieden werden.

    Zuerst: Der Flüchtlingsstrom über die Balkan-Route war erst einmal zu begrüßen. Denn dieser machte unmissverständlich klar, worin der Zynismus des Dublin-Abkommens eigentlich bestanden hatte. Dass das Dublin-Abkommen in keiner Weise für den Ernstfall geeignet hätte sein können. Von vorneherein und schon immer war klar, dass im Ernstfall die europäischen Außengrenzen nicht würden „geschützt“ werden können. Deutschland konnte sich weiterhin mit einem sog. Asylgesetz zieren – das aber de facto ausgehebelt wurde, wirkungslos gemacht worden ist. Die linken Proteste damals hatten, nach guter alter Art, sich auf jeden Fall auf die richtige Seite zu schlagen, zuförderst aus Prinzip gegen die Abschaffung des Asylgesetzes gewendet, welches ja nicht zuletzt als Ergebnis der Lehren aus dem Hitlerregime und dem WW II. zustandegekommen war. Man war also im Recht! Und wie verzweifelt bildeten dort vor dem Bundestag Studienräte Menschenketten, die Verzweiflung in die Gesichter geschrieben: Es könne doch nicht sein, was nicht sein dürfe! Wenn man doch recht hatte! Niemals nirgends nicht wurde dann, als das Kind in den Brunnen gefallen war, thematisiert, wie es eigentlich hatte sein können, dass die jeweils betroffenen Außengrenz-Länder der EU sich ein im Ergebnis völlig antirealistisches und absurdes Abkommen hatten aufschwatzen lassen können. Die linke Luft war raus, schließlich hatte man sich jetzt genug verausgabt. Kohl – der „große Staatsmann“ – hatte sich durchgesetzt.

    Dieser Dublin-Zynismus war der eigentliche Skandal. Aber wer kümmerte sich schon um „Realpolitik“, wenn es doch Prinzipien gab! Als sich dann Flüchtlingsströme über die Balkanländer Richtung Deutschland bewegten, eierte die deutsche mediale Öffentlichkeit herum: Böse Balkan-Länder: Jein! Niemand kam auf die Idee, auf Dublin zu pochen: Warum „sichern“ die Außengrenz-Länder nicht die Grenzen? Dies hätte, konsequent, gefragt werden müssen. Und eben auch weil es die deutsche Linke versäumt hatte, auf den Dublin-Skandal hinreichend aufmerksam zu machen, waren Links wie Rechts auf dem falschen Fuß erwischt worden. Die Rechnung musste beglichen werden, und plötzlich wollte es keiner gewesen sein. Selbst Seehofer-CSU wollte nicht eingestehen, auf welche Weise die „Lehren aus WW II.“ rückgängig gemacht worden waren.

    Merkel machte dann den Dublin-Zynismus amtlich. Und der Optativ „Wir schaffen das“ kam zu seinem politischen Recht. Diesmal eben nicht als Tranquilizer. Das war natürlich empörend, einmal nicht eine Schlaftablette verabreicht zu bekommen. Merkel-Deutschland hätte europäisches Recht gebrochen, hieß allenthalben – ein europäisches Recht, das Deutschland den Mitgliedsländern aufgeschwatzt, wenn nicht aufgezwungen hatte. Auch die Heile-Welt-EU-Lüge, die deutsche Spezialität, war nun offenbar (wie dieselbe ja auch mittelbar zur Ukraine-Krise beigetragen hatte). Was aber wäre gewesen, wenn Merkel-Deutschland die Aufnahme von Flüchtlingen wie in Österreich zunächst zur Disposition gestellt hätte? Seehofer et als hätten, kein Zweifel, bereitgestanden. Ich wage nicht, es mir auszumahlen.

    Ausnahmsweise gab es tatsächlich „keine Alternative“. Dies jedoch in linken Kreisen einzugestehen, dafür war man sich zu fein. Wie recht hatte man doch immer gehabt, Merkel ihr TINA-Geschwafel vorzuhalten! Merkel tat aber das einzig noch mögliche. Durch den Schockeffekt ihrer Entscheidung, die in Wahrheit eine jahrzehntelang währende Deutschland und die EU betreffende deutsche Selbstlüge mit einem Strich wegwischte – was ich als Befreiungsschlag wahrnahm, endlich: Get Real! – waren fürs Erste CSU-Seehofer und AFD-Demagogen außer Gefecht gesetzt, die sich nun erstmal aufraffen mussten.

    Wo blieben jedoch von nun an die „Merkel-Versteher“, die Merkeldeuter, die bisher soviel Phantasie gezeigt hatten, kaffeesatzleserisch Merkles Politik zumeist wohlwollend zu interpretieren? Dass Merkel „hochgeschrieben“ werde oder wurde, ist, vor diesem ganz realen und gefährlichen Hintergrund, einfach falsch und birgt seinerseits keine geringes Gefahrenpotenzial.

    Selbst als Merkel, Monate seit Beginn der „Flüchtlingskrise“, in diesem Interview „ihre Flüchtlingspolitik verteidigte“, wurde weder am selben Tag noch in den folgenden in den Öffentlich-Rechtlichen Medien auch nur Bezug darauf genommen. Vollkommene Fehlanzeige.

    Gehen wir nach der Berichterstattung und verbreiteten Kommentaren, gab es einen einzigen politischen Akteur, und das war – wirklich schwer zu erraten, wer jetzt von mir leider genannt werden muss? – Seehofer-AFD.

    Über Monate wurde die AFD hochgeschwiegen – einfach indem Merkel wie ein böses Kind in die Ecke gestellt wurde und nicht einmal nach einer Erklärung ihrer Politik gesucht geschweige gefragt wurde.

    Und hier: Vollkommenes Versagen auf linker Seite. Man hatte doch immer recht damit gehabt, Merkels Zynismus des Verschweigens und Darüberhinwegsehens in Sachen Russland-Politik und Ursachen der Ukraine-Krise sowie des Syrien-Krieges jedenfalls zu versuchen öffentlich zu machen, man wusste ja so vieles besser, sich aber eindeutig und effektiv gegen die AFD zu stellen, was möglw. eine „Verteidigung“ Merkels impliziert hätte, hätte in eigenen Augen einen Gesichtsverlust bedeutet. Und allein auf diese Innenperspektive kommt es offenbar an.

    Ich habe das Gebaren in der medialen Öffentlichkeit sehr genau verfolgt. Es war klar, dass – und soviel Zynismus muss man sich realistischerweise einfach einmal zumuten – es an den Grenzen „immer härter werden“ würde; dass natürlich „die europäischen Außengrenzen geschützt werden“ würden, dass es den Balkan-Ländern die „Drecksarbeit“ überlassen werden würde. All das wurde nicht wahrgenommen. Stattdessen würde sich Merkel „erpressbar“ machen, wenn von der Türkei ein „Deal“ vorgeschlagen wurde.

    Die Merkelsche Realpolitik wurde nicht einmal als solche thematisiert. Und wie konnte dabei übersehen werden, dass währenddessen die AFD schamlos „hochgeschwiegen“ wurde? Diese Frage muss sich die Linke gefallenlassen.

    Wie gesagt, ich habe das öffentlich-mediale Geschehen sehr genau verfolgt, insbesondere das Verhalten in den Öffentlich-Rechtlichen:

    Fast auf den Tag genau, nachdem die AFD in die Landesparlamente Einzug gehalten hatte, kamen die ersten positiven Bewertungen der Merkleschen „Flüchtlingspolitik“ in Talkshows etc. Über ein halbes Jahr hatte man stillgehalten. Muss man also Merkel vorwerfen, dass sie es tatsächlich riskiert hat, dass die wahre deutsche Mentalität – vom AFD-Stammtisch über Seehofer bis in die Redaktionsstuben von Leitmedien und Öffentlich-Rechtlichen – sich unverhüllt zeigt? Entweder ist Deutschland zutiefst rassistisch und fremdenfeindlich oder es wird allgemein davon ausgegangen, dass es sich genau so verhält.

    Niemand traute sich die Courage zu, die Merkel – gezwungenermaßen – an den Tage gelegt hatte.

    Genau diese Feigheit, wenn es denn einmal wirklich darauf ankommt, nicht entschlossen für eine offene, „mulitkulturelle“ Gesellschaft mit einem Quäntchen Optimismus im Sinne des Merkel-Optativs „Wir schaffen das“ einzutreten, dieses Versagen der intellektuellen Linken hat in GB zum Brexit beigetragen.

    Unter Linksintellektuellen ist der Brexit erwartet worden, so Zadie Smith in ihrem nur zu empfehlenden Artikel in der New York Review of Books, doch niemand hatte in Nord-London zu glauben vermocht, dass er tatsächlich passieren würde. „It was so obviously wrong, and we were so obviously right—how could it?“ Nachdem diese Frage erledigt worden sei, jammerte man noch ein wenig über die seltsam indifferent-zurückhaltende Tendenz unter jüngeren Linken. „We were all right about that, too.“ Nach solchem Schwadronieren bemerkte der „cleverset among us“:

    “Well, they got that habit from us. We always wanted to be seen to be right. To be on the right side of an issue. More so even than doing anything. Being right was always the most important thing.”

    Es ist ein äußerst geschickter Propagandatrick der AFD gewesen, an der Rede von der „Lügenpresse“ festzuhalten. In Wahrheit ist die AFD monatelang „hochgeschwiegen“ wenn nicht hochgeschrieben worden. Nur der intellektuellen Borniertheit, die sich über diese offensichtlich ach so „dumme“ AFD-Propaganda mokierte, und linker Selbstgerechtigkeit konnte das entgehen.

    Und dies sind die Voraussetzungen, damit Deutschland in eine Situation stolpert, wie wir sie jetzt in GB beobachten können.

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    • In der Tat ist die mediale Reaktion auf die Lügenpressenbehauptungspartei AfD der viel größere Skandal. Die so angesprochenen Journalisten liefen monatelang der Denunziation hinterher und bemühten sich, der Unterstellung keine Nahrung zu geben. In Verkennung der psychiatrischen Realität: Es war ja eine psychotische Behauptung der AfD und die Medien versuchten tagtäglich, dieser Verrücktheit Argumente entgegen zu setzen. Was die Psychotiker wiederum – wen wunderts? – nicht überzeugte; alles nur ein Lügenpressentrick…

      Weiterhin: Auch ich habe das Stimmungshochkochen gegen Merkel in den ersten 5-6 Monaten dieses Jahres sehr genau registriert.
      Zum Beispiel: Auch wenn die in der Zahl übrigens übertrieben dargestellten Täter von Köln schon jahrelang hier waren und aus dem MaGreb-Raum kamen, war Merkels Septemberentscheidung für die Syrienflüchtlinge daran „schuld“. Kulminierend in der wahnhaften Behauptung, einer der Täter hätte im geschliffenen Deutsch erklärt, Merkel habe ihn eingeladen.
      Das ist übrigens eines der zentralen Mems, die die Afd/PEGIDA-Bewegung aufbauen will. Immer wenn es Probleme mit Ausländern/Migranten/Flüchtlingen gibt, umgehend den Namen Merkels ins Spiel zu bringen. Genau das haben diese Strolche auch in zahlreichen Memos an ihre Anhänger immer wieder verbreitet: Geht in die sozialen Medien hinein und verbindet Straftaten von Nicht-Deutschen mit dem Namen Merkel. Häufig Wortwahl: Danke Merkel! Der hashtag merkelsommer ist so ein Beispiel. So kommt es dann zu solchen Absurditäten wie bei dem Münchener Täter: Auch Menschen, die hier geboren wurden, hat Merkel „hereingeholt“. Danke Merkel!

      Diese Methode der Stimmungsmache ist nicht neu. Vor 90 Jahren musste die NSDAP sich nach dem gescheiterten Putsch in München neu finden. Namentlich in der Reichshauptstadt war für sie einfach nichts zu holen. Man verfiel daruf, das Personal auszuwechseln. Rate mal, wer der neue, sog. Gauleiter Berlins wurde? Ich gebe einen Tip: Katholik aus dem Rheinland… und der mischte mit genau dieser Methode die Stadt so richtig auf. Bei jeder kriminellen Tat im Scheunenviertel schallte es aus seinem Megaphon: Jude! Wurde der Täter nicht gefasst, war die Polizei „schuld“, denn der Polizeipräsident Weiss war – naklar: Jude! Kam ein kritischer Journalist und hackte und fragte nach, so war der – na rate mal – : Jude! Und die Zeitung, für die er schrieb, gehörte?

      Ich habe so etwas wie dieses letzte halbe Jahr noch nie erlebt. Dieses Denunzieren einer Person. Der Versuch, die Stimmung, die Gesellschaft insgesamt zu kippen und dann die alten Repräsentanten der Gesellschaft für das Kippen verantwortlich zu machen.
      Dass das Benennen von Integrationsproblemen nicht gleich als faschistisch zu markern ist, habe ich hoffentlich zuvor deutlich gemacht. Auch diese Vergiftung des Sprechens im öffentlichen Raum gibt es. Sie ist aber gegensätzlich zur AfD-Stimmungsmache im üblichen, verrückten Rahmen geblieben, den u.a. die Kinderbuchsprachpolizei so kläglich absteckt.
      Die Stimmungsmache gegen Merkel aber ist eine neue Qualität, in ihrer Agressivität und vor allem Totalität mich überraschend. Merkel ist schlicht für alles verantwortlich, für jedes Gegrabsche in der U-Bahn, auch dann, wenn der „Grabscher“ lediglich beim ruckhaften Anfahren ausrutschte. Hat er dunkle Augen, ist er ein Merkel-Grabscher und findet seinen Weg in die Social-media-Empörung, in den #merkelsommer. Danke Merkel!

      Wie viele ganz normale Merkelsommerdeutsche fühlen sich nicht mehr heimisch? Wie viele wollen hier ihr „country back“ haben? Mein Lesetip: Joey Geobel „Heartland“ aus dem Jahr 2008 [sic!], detebe für preiswerte 11.90 euro. Dort findet sich schon diese Stimmung wieder, ohne dass Geobel die teaparty-movement, Donal Trump oder Frauke Petry kennen konnte.

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