Philosemitismus

Nicolaus Fest ist nun Mitglied der AfD geworden und sieht seine Aufgabe darin, den Antisemitismus in dieser völkischen Formation zu bekämpfen. Dafür zunächst viel Glück. Allerdings sieht der Verfasser dieser Zeilen in diesem fromen Wunschdenken eine gewisse Contradictio in Adjecto. Na gut. Weiterhin dozierte Fest über das Totalitäre im Islam und kündigte an, sich für ein Verbot dieser Religion einzusetzen. Zugleich zitierte er auf einer Pressekonferenz bei der Präsentation seiner selbst…  Ludwig Börne.

Kombiniert man die drei oben geschilderten Sachverhalte, so ist nur eine Schlußfolgerung möglich: Da ist ein Philosemit am Werk, der zum einen über eine pauschale Islamfeindschaft seine rassistischen Bedürfnisse auslebt und zugleich judenumarmend implizit meint, über eine behauptete gemeinsame Gegnerschaft den furchtbarsten Teil der deutschen Vergangenheit „bewältigen“ zu können. Der seinen Rassismus also humanistisch umlabelt, indem er ihm den Spin Solidarität mit Juden gibt. Wohlfeiler gehts nimmer. Das zwingt zu einigen Gedanken über den Philosemitismus an sich und speziell über den deutschen, den traditionell vorauseilenden Philosemiten…

Eure Feinde sind auch meine Feinde, sagt also der deutsche Philosemit zu „den Juden“ in der irrigen Annahme, alle Juden trügen seinen antiislamischen Rassismus in sich. Und „beweist“ so, dass er (und nur er natürlich, Distinktion gibt es bei solchen Phänomenen immer gratis) aus der deutschen Vergangenheit „gelernt“ hat. Nun, das hat er ja auch, aber anders als er denkt. Denn auch der Philosemit backt sich „seine“ Juden, wie er sie braucht. Die Ähnlichkeit zum Antisemitismus ist nicht zufällig sondern unvermeidbar.

Ein paar Beispiele nur mögen das illustrieren: Die tollen Juden mit ihrer Internationalität sagt der Philosemit; internationales Finanzjudentum der Antisemit. Juden sind so klug und kulturell geweitet, so träumt der Philosemit; jüdische Intelligenzbestie der Antisemit. Kurzum: Die philosemitische Variante des besonders innigen Verhältnisses zu Juden baut auf Vorurteile, die inhaltlich mitunter gar nicht so weit vom Antisemitismus entfernt sind. Was macht  eigentlich unser Philosemit mit einem Juden, der seine generelle Islamfeindschaft gar nicht teilt? Oder mit einem, der sich nicht für Mozart sondern für Fußball interessiert? Ist das dann ein blöder Jude?

Mithin ist hier also ‚des Pudels Kern′: Philosemitismus zementiert als ‚fahrender Scholast′ inhaltlich ähnliche Vorurteile wie der Antisemitismus, er wertet sie nur positiv. Und nichts ändert sich im Lauf der Geschichte so schnell wie eine Wertung. Was ich gestern lobte, wird heute getötet. Das zu begründen war Scholastikern nie ein Problem gewesen. Deswegen traue ich dem Philosmitismus nicht. Und Herrn Fest auch nicht.

 

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