ANGRY WHITE MEN 1-4

1

2008 ein dänischer Patient zu mir: Wissen Sie, Herr Finkeldey, wie wir in Dänemark Deutschland mittlerweile nennen? Nein?
Das Billiglohnland südlich von uns…

2

Komisch: Immer wenn man erklärt, dass gesellschaftliche Perspektivlosigkeit ein zentrales Motiv der angry white men sein könnte, unterstellen einem andere (z.B. Jan Fleischhauer als Vorwurf gegen alle Linke), man wolle wohl mit „typisch linken“ Sozialstaatssegnungen alleine die Nazi-Welle aufhalten. Mehr Geld vergießen mache weniger Nazis, ganz linear 1:1. So denke es in einem.

Nö, das hat keiner behauptet. Und das Späti-Syndrom – also das Versenken der eigentlich als Kinderförderung gedachten Kohle im Späti – ist mir durch jahrzehntelange Berufspraxis sehr wohl bekannt. Aber das Späti-Syndrom ist ja Ausdruck dieser Perspektivlosigkeit.

Bis zu den Wahlen wird diese Perspektivlosigkeit nicht grundlegend umgesteuert werden können. Es wäre zumindest schon ein mal hilfreich, wenn man das Benennen dieser sehr grundlegenden Problematik nicht immer als unterkomplexen Wunsch nach mehr Kohle und damit als dümmlich und intellektuell minder bemittelt hinstellen würde.

3

Gespräch im Speisewagen Herbst 2015. Ich setze mich höflich fragend zu einem ältereren, freundlichen Herrn mit Basballcap und dem „Cicero“ vor sich. Der beantwortet die Frage nach einem freien Platz mit Hilfe eines Goethe-Zitats. Da ich das Zitat fortsetzen kann, legt er die Zeitung weg.
Schnell demaskiert sich dieser ältere, freundliche Herr als Mitglied der AfD. In führender Position. Sein Denken wird immer klarer, eindeutiger. Fast nebensächlich, neben seiner Position zur gerade erfolgten Öffnung der Balkanroute und v.a. neben dem Offenlegen seiner Weltanschauung (worüber ich hier schon berichtet hatte), eigentlich nur in zwei Nebensätzen erwähnt er, dass „wir Deutschen“ ja „trotzdem“ die „Welt beherrschen“. Trotzdem? Trotz was?

Dann kommts:
„Und übrigens: Auch Donald Trumps Vorfahren kommen aus Deutschland.“ Herbst 2015. Man will kein Verschwöriker sein. Aber es kommt einem in der Nachschau wie ein Masterplan vor.

Ich musste dieses Jahr, erst recht nach dem 8. November so manches Mal an diesen älteren, freundlichen Herren denken.

4

Ich komme mir wie Cato der Ältere in der ständigen Wiederholung des einen Satzes vor:
Wie sähe die politische Lage mit einer echten Wirtschaftskrise aus? Wie viele angry white men gäbe es dann?

Man denke sich, auch bei uns verlören ganze Landstriche ihre Häuser, die die politische Leitung ihnen zuvor noch als Alterssicherung schmackhaft gemacht hat. Nicht auszudenken.

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