Zum Geburtstag

„Bewegung findet nur noch an den Rändern statt!“ (Heiner Müller)

So Müller in den 90er Jahren; die Geschichte war gerade zu Ende gegangen.

Mittlerweile geht sie, die Geschichte, ja in die zweite Runde. Die Glocke, die diese neue, (letzte?) Runde einläutet, ist überlaut. Und die Geschichte findet jetzt doch wieder im Zentrum statt, wobei in der Tat vom Rand her die Beschleunigung kommt, im Grunde genau so, wie Müller es beschrieben hatte. Ohne den radikalen Rand kein Wirbel im Zentrum. Das Auge des Orkans dabei noch totenstill… aber es ist kein Zweifel möglich: Unsere Lebensspanne wird aufregend bleiben bis zum Schluß, unsere Sehnsucht nach dem Biedermeier bleibt ungestillt. Das ist jetzt schon klar. Somit: Im Westen nichts Neues! Müller inszenierte 1993 am BE genau über das Ende des Alten, über diesen Einbruch der Geschichte in die individuelle Existenz eine aufregende Montage aus Brechts Fatzer und eigenen Texten:

„Und von jetzt ab und eine ganze Zeit über/Wird es keinen Sieger mehr geben/Auf eurer Welt, sondern nur mehr Besiegte.

Wir aber wollen uns/Setzen an den Rand der Städte und/Auf sie warten. Denn jetzt muss/Kommen eine gute Zeit; denn jetzt bald/Tritt hervor das neue Tier, das/Geboren wird, den Menschen aus-/zulösen.“ (Brecht, auch in Brecht/Müller: Duell/Traktor/Fatzer)

oder aus -zulosen oder -zulöschen. Alle Wörter passen, wenn der Engel der Geschichte uns entgegen explodiert und dem Paradies entkommt. Mehr ist nicht drin!

Darauf eine Havanna! Phuuuuh…

heiner-muller

Bildnachweis: ©gezett (mit Dank an Gerald Zoerner)

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