Der große Stumpfsinn

Die Sehnsucht nach dem Thrill und der Jammer am nächsten Morgen

Eines kann man der Gegenwart sicherlich nicht vorwefen: Dass sie langweilig sei. Die Sehnsucht so mancher, mit Hilfe stumpfsinniger aber realer Nervenkitzel dem öden Dasein zu entfliehen, wird dazu beigetragen haben und wird weiter dazu beitragen. Politik ist einfach besser geeignet, das kleine Dasein groß werden zu lassen, als Bungee-Jumping. Was? Der derzeitige, gesellschaftliche Irrsinn einzig eine Reaktion auf die Langeweile? Nun, nicht einzig. Aber einen Anteil hat dieser Mechanismus durchaus. Die wichtige Rolle der im übersatten Zustand erlebten und erlittenen großen Langeweile  in der Ätiologie des ersten Weltkrieges zum Beispiel war Thomas Mann schon klar. Enthemmte Überreizung mit finaler Explosion sollte der Langeweile Einhalt gebieten und sie tat es dann ja auch gründlichst.

Aktuell interessiert mich eine Frage besonders: Wie fühlt sich eine Gesellschaft im  Moment der Erkenntnis? Wenn ihr klar wird, dass ihre Sehnsucht nach dem enthemmten Thrill vor dem eigenen Dasein einen Verückten nach oben gespült hat? Den man erst ein mal nicht los wird? Für dessen irre Machtbedürfnisse man aber jetzt zuständig ist? „Der Wahn ist kurz, die Reu´ ist lang…“ das wusste schon Friedrich Schiller. Die Mahnung vor dem Kater nach dem Rausch war stets die letzte Wiese der Pädagogik. Und Pädagogik ist unsexy.

Für Spannung ist folglich weiter gesorgt, denn unsexy – jetzt kommt die Floskel des Jahrzehnts – unsexy, „das geht gar nicht“…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s