Aus Paselkes Nachlass

Melancholie

Ein altes, im Lauf der Jahre immer wieder baulich erweitertes Kinderkrankenhaus am Rand der großen Stadt. Diese bauliche Verschachtelung – aufgrund der Abstimmung der verschiedenen Epochen notwendig – führte dazu, dass man von einer normalen Station die Intensivstation nur über den Kellergang erreichen konnte. Fatal bei Ausfall des Fahrstuhls. Dann musste man über den Hof zu einem Seiteneingang laufen…

Eines Nachts bekam ein Kind einen Pseudocroup-Anfall. Und der Fahrstuhl war wieder einmal ausgefallen. Das Kind röchelte und litt. Die Schwester erkannte sofort die Gefährdung, nahm es, wickelte es ein und lief über den Hof zum Seiteneingang der Intensivstation. Was sie nicht wissen konnte: Die vorherigen Nächte waren Unbekannte über das Gelände gestrolcht und deswegen war ab 20:00 der Eingang verschlossen worden. Einen Schlüssel hatte man nicht an die Nachtschwestern verteilt. So stand sie mit dem akut kranken Kind vor der Tür und kam nicht hinein. Sie schrie, sie flehte, schließlich presste sie den Brustkorb des sterbenden Kindes, wie sie es auf einem Reanimationskurs gelernt hatte. Vergebens. In ihren Armen das Kind war tot. Unvorstellbar ist mir ihr Gesicht und sind mir ihre Gedanken, als die Tür sich endlich öffnete und der Arzt fragte, wer denn hier so einen Krach schlüge…

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