Ende der 90er Jahre,

 

ein junger Arzt in seiner ersten Stelle. Schnell merkte dieser junge Arzt, dass einer der Kollegen in der Abteilung ausgegrenzt wurde, mithin die Rolle des Immerschuldigen zu spielen hatte.
Der junge Berufsanfänger fragte seinen Vorgesetzten, den leitenden Oberarzt S. nach den Gründen dieser Ausgrenzung und erhielt eine erstaunliche Antwort: Mit dem Herrn P. könne man halt „aus ethnischen Gründen“ nicht zusammenarbeiten (Der „aus ethnischen Gründen“ ausgegrenzte Kollege, der Immerschuldige war Migrant aus dem ehemaligen Jugoslawien). So sei das!

Nein, die Erfolge der AfD 20 Jahre danach wundern mich keineswegs.

 

äskulab

Zum letzten Mal

das leidige Thema AfD. Man glaube mir: Ich habe besseres vor mit meiner Zeit. Doch nun lese ich im Netz von durchaus intelligenten Menschen etwas von einer angeblichen „Rand“partei AfD. Ist sie das wirklich? Ist eine solche Argumentation nicht geschichtsvergessen? Wie weit am Rand war die NSDAP 1928 mit ihren 12 Abgeordneten im damaligen Reichstag? Und wie breit wurde der Rand dann mit der Wirtschaftskrise ein Jahr später?
Ist es heute so anders? Denn genau das ist nie zu vergessen: Die aktuellen 8-10% Stimmenanteil der „Rand“partei AfD sind das Ergebnis OHNE Wirtschaftskrise. Wie breit würde deren Rand MIT einer solchen Krise sein? Ich frage und wage kaum zu antworten…

Kurzessay aus den Rossbreiten

Als eine der größten Problematiken im öffentlichen Diskutieren entpuppt sich für mich in den letzten Jahren die Neigung, den jeweils anders Denkenden als wahlweise unterbelichtet – naiver Gutmensch also – zu denunzieren oder aber als moralisch nicht integer – das wäre dann der „Fascho“. Dazu in aller Kürze:

Eine menschliche Gemeinschaft existiert unter anderem deswegen, weil sie sich als Gemeinschaft schützen kann. Aber eben auch, weil sie in der Lage ist, auf Neues, auf eine veränderte Umwelt zu reagieren. Beides – der Schutz und die flexible Reaktionsfähigkeit – ist notwendig, um zu überleben, jedes für sich alleine nicht hinreichend. Es scheinen ja auch beides anthropologische Konstanten zu sein, die beiden Spielarten, auf Fremdes zu reagieren: Angst und Neugier! So – ebenso prosaisch wie teleologisch – kann man diese beiden Spielarten doch darstellen, ohne dass dabei irgendwem irgend etwas unterstellt wird. Aber nein, gerade bei diesen beiden Punkten kulminieren die Vorwürfe, werden gegenseitig moralische oder intellektuelle Disqualifikationen ausgesprochen.

Konkret: Wer sich für Grenzkontrollen ausspricht und diese auch erst ein mal behalten möchte, ist dann gleich der nordkoreanische Einigler, der Angsthase, schlimmstenfalls der Wächter auf dem KZ-Turm. Wer hingegen meint, dass Migration aus dem Süden die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird und wir mit Neugier, Herz und Verstand darauf reagieren sollten und eben nicht mit der Methode Nordkorea, der ist dann gleich linksgrünversift, ein Naivoblödiegutmensch. Diese jeweiligen Disqualifikationen bestimmen weite Teile des öffentlichen Redens. Ich habe darauf nur noch wenig Lust. Und schlage stattdessen den teleologischen Ansatz vor, beide anthropologische Spielarten – die Angst und die Neugier – moralinfrei als gegeben zu nehmen und mit ihnen Lösungen zu entwickeln. Denn gegen diese Spielarten dauerhaft zu agieren, das ist doch der Versuch, in der Antarktis Annanas anzubauen. Und gegensätzlich zum Steinewälzen wird man dabei nicht glücklich.

Die Hilflosigkeit der Linken im Angesicht des völkischen Sturmgeschützes

Die Linke erscheint aktuell auch deswegen so hilflos, weil sie auf eine entscheidende Frage einfach gar nicht antworten kann: Es ist die Frage, wie weit die Konservativen den Völkischen hinterher laufen wollen. Und wo deren Grenze des Mitmachens ist. Das können naturgemäß nur die Konservativen selbst beantworten. Wer sonst?
Wir können zunächst nur zuschauen und allenfalls versuchen, den Dialog mit den Abschmierenden, den Verführbaren aufrecht zu erhalten. Und wir können den in Wort und Tat bereits auffällig Gewordenen genau diese Frage stellen: Wie weit wollt Ihr da mitgehen? Wann ist das Ende des Erträglichen erreicht? Welche Weggabelung weiter nach Rechts betretet Ihr nicht mehr?

Mehr ist nicht drin, das sind die aktuellen Grenzen des Dialogs. Ich denke, das muss man ganz nüchtern so sehen.

sturmgeschütz

Make reality great again!

Wenn es so etwas wie Wirklichkeit gar nicht gibt, wie kann man sie dann abschaffen? Aber genau das passiert ja gerade. Die Abschaffung der Wirklichkeit und der Ersatz des Abgeschafften durch eine Psychose, durch Verrücktheiten.

Diese Abschaffung ist dabei nichts anderes als der Existenzbeweis durch Zerstörung. Denn was man erst zerstören muss, damit es aufhört, hat zuvor notwendig existiert.

Make Reality great again!

Die Einrahmung

”…with a smile on the face of the tiger“

Wer den Tiger des Populismus reitet, kann bei diesem Ritt zunächst viel Spaßgewinn verbuchen. Das ist doch sicherlich aufregender als Bungeejumping. Er sollte aber wissen, dass dieser Spaß irgendwann ein Ende hat. Nämlich dann, wenn der Tiger Hunger bekommt. Und Tiger sind – auch wenn die Grünen es wahrscheinlich nicht wahr haben wollen – keine Vegetarier. Die wollen Fleisch. Die wollen ran, die wollen ihre Gegner verspeisen, so wie es ihnen jahrelang montags und auch an anderen Tagen versprochen wurde. Wer den Tiger reiten will, dann aber nicht mitessen möchte, landet schneller als er twittern kann im Tigermagen.

Es gibt für diesen Mechanismus in der deutschen Geschichte gewissermaßen einen Präzedenzfall: Es war einst ein konservativer Herrenreiter, der wollte Regierung sein. Dieser Herrenreiter war selbst unpopulär und nahm statt dessen einen begnadeten Populisten „mit ins Boot“, ritt also nicht mehr Rassepferde sondern den Tiger. „Wir haben ihn uns engagiert!” und „In zwei Monaten haben wir ihn in die Ecke gedrückt, dass er quietscht!“ soll der Herrenreiter gesagt haben. Sein Name sei verraten: Franz von Papen. Den Namen des Populisten und die Beantwortung der Frage, wer von den Beiden das Rennen machte – der Rassepferdreiter oder der Tiger – , schenke ich mir…

Der aktuelle Populist – der Herr Höcke – keineswegs Pöbel sondern Exponat dessen, was Thomas Mann die „trunkene Bildung“ genannt hat, dieser Herr Höcke will vor allem auch eines: Die vermaledeiten zwölf Jahre loswerden. Das ist alles hier schon verhandelt worden, vor fast drei Jahren (link hier) und ich stelle mit Blick auf die heutigen Verhältnisse fest, dass ich doch wenig zurück zu nehmen habe. Die Ressentiments, die der Nazi Höcke bedient, waren damals schon da und klar erkennbar. Nun will er, der konservative Revoluzzer, „ran an die Krippe, ran an die Macht und sonst gar nichts“ (Tucholsky). Und die „gemäßigten“ AfDler (gibt es die?) wollen auf den populistischen Sog nicht verzichten, fühlen sich sicher genug im Populistensattel. Ach, ich weiß schon jetzt, wer wen im Zweifelsfall abwerfen wird.

Zuletzt sei nur Paul Newman aus dem „Clou“ zitiert, um den politischen Verlauf der nächsten Jahre anzudeuten: „Die Kiste wird hart!“