#Leitkultur 4

DEBATTENKÜCHE – oder der Geist aus der Dose

Débattensalat
Debáttensalat

Debatténsalat
Debattensálat

Jede Dose droht als Nazi-Saat
aufzugehen im Debattensalat

Stillgestanden, habt Acht es naht
der deutschéeeeee
– Débattéeeensálàt!

tomate

Der Gesellschaft gewidmet, die von einer „Helene-Fischer-Debatte“ faselt und weiterhin darüber streitet, ob eine ansonsten bigotte Kirchenmaus das Nürnberger Gesetz unter umgekehrten Vorzeichen rehabilitiert, indem sie sich gegen die Mutterkreuzideologie der AfD wendet (sic!). Zum letztgenannten Puknt nur soviel: Selbst wenn es sich um Frau Käßmann handelt, wo sie recht hat, hat sie recht.

Übrigens: Wer die Flüchtlingszahlen nach Deutschland senken möchte, sollte aller Welt erklären, worüber bei uns erregt „debattiert“ wird. Das ist noch wirkungsvoller als das Klonen und Aussetzen unendlich vieler Troubardixe. Keiner würde mehr kommen wollen.

#Leitkultur 2

Ein Fall für Jandl
Deine Veggie-Day-Debatte ist mein Schweinefleisch in der Kantine – odel umgekellt.

(Wenns nicht so traurig wäre, man könnte nur noch lachen.
Aber hat auch sein gutes: Erstens steigen jetzt auch die Rechten auf jeden verrückten Debattenzug auf und machen sich lächerlich. Und zweitens haben unsere Neuankömmlinge sofort eine Ahnung, was hier so Leitkultur ist. Politikspektrumübergreifend gibt es zum Grillen zwar wahlweise Hallumi oder Schweineschnitzel, auf jeden Fall aber: DEBATTENSALAT! Und der „Gegner“ wird gegrillt bis er bekennt, gefehlt zu haben. Unsere Leitkultur hört auf den Namen Rechthaben. Und falls man nicht recht hat, wird die Rechtsschutzversicherung aktiviert. Schrecklich)

Thomas Mann

am 3./4. Dezember 1936 an seinen Sohn Klaus über seine Eindrücke beim Lesen des Romans „Mephisto“:

„Mit Mielein [Katia Mann, geb. Pringsheim, HF] stimme ich darin überein, daß das Gelungenste und kritisch-erzählerisch Glänzendste die Schilderungen aus dem Berliner Theater- und Literatenleben von vor dem Umsturz sind. Aber freilich muß man sich gerade unter dem Eindruck dieses witzigen Bildes fragen: Wenn es so war, so albern und so korrupt, konnte es dann so fortgehen, und mußte nicht etwas anderes kommen, vielleicht notwendig das, was kam? Diese Frage ist gefährlich, und der Republik geschieht doch wohl unrecht damit.“

thomas-mann

Diese Fragen sind auch heute zu stellen. Wenn unsere „Debatten“ (die diesen Namen doch wohl nur in dickste Anführungszeichen eingekleidet verdienen) etwa über Kinderbuchübersetzungen, Gender-Suffixe oder vegane Ernährung so „albern und so korrupt“ sind, wie sie sind, und mit so verrückter Vorwürflichkeit geführt werden – hier wie auch drüben auf der anderen Seite des Atlantks – , und wenn weiterhin diese Anklage-„Debatten“ einzig wahrgenommener Ausdruck einer sonst zunehmend rein dysfunktionalen und öden Demokratie sind, ist dann nicht eine fatale Entwicklung der politischen Landschaft folgerichtig? Muss dann „nicht etwas anderes kommen, vielleicht notwendig das, was kam“?

Anstatt hierauf gleich wieder pawlowartig mit social-media-Schlagworten (Eliten-bashing, Minderheiten-Bashing, Abgehängte usw.) zu „antworten“, wäre eine mehrminütige Denkpause sicher sinnvoll.

Wir wollen doch hoffen, dass der Republik, der Demokratie insgesamt „unrecht damit“ geschieht. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Mir kommen diese aufgezwungenen „Debatten“ genauso vor wie der aufgezwungene „Antifaschismus“ der DDR, dessen initial aufklärerischer Impetus zur Rechtfertigung von Unrecht und Distinktion wurde. Und der deswegen ja bekanntlich folgenlos verhallte.