Aus Paselkes Nachlass 3/Aufklärung

Eine auf ebay ersteigerte, analoge Spiegelreflexkamera enthielt noch einen alten Film, der in zeitlich und örtlich zunächst unbestimmbarer Vergangenheit belichtet worden war, dann aber in dieser Kamera offenbar vergessen wurde. Sofort kam es zum Plotdurchtritt durch Paselkes Kopf: Wie dieser Film nach seiner Entwicklung einen 20 Jahre lang ungelösten Mord aufklärt. Aus dem Dunkel des fotografierten Augenblicks zum Licht. Enlightenment.
Die Kamera gehörte nämlich – gemäß Plot – dem Opfer und zeigt sequentiell Tat und Täter.
Das eigentliche Rätsel, das der Protagonist zu lösen hat, ist die Frage, warum der Film einerseits nicht vernichtet, und andererseits nicht entwickelt wurde. Obwohl er den Täter problemlos überführt auch 20 Jahre nach der Tat.
Also: Wer hatte einerseits ein Interesse daran, das Beweismittel in Händen zu behalten und andererseits keines, es scharf zu machen?

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Aus Paselkes Nachlass 2

Trost

Ein nach einem Sturz von der Hochbettleiter in seiner Verletzung Gefangener, unfähig sich zu bewegen aber noch bewußtseinsklar, sieht schmerzgeplagt auf dem Boden liegend den aufgeklappten Laptop und dort dann endlich – es spielt von der Hochebene her schon der siebte Song der CD – die lang ersehnte Antwort aufpoppen.

Die Provinzlesung

Paselke hatte sich Jahr um Jahr wie alle anderen auch den Untiefen des Alltags gestellt, ist Tag um Tag aufgestanden, um zunächst Vaterpflichten nachzukommen, noch bevor die Mühle des Arbeitslebens ihn durchschüttelte wie ein Astronautentraining. Nun endlich nach über einem Jahrzehnt Abstinenz war seine literarische Neigung wieder hinter der Alltagsfirniß hervorgekrochen und wollte in die Welt. Dazu hatte er – gewissermaßen als warmup – über Freunde eine Lesung in der brandenburgischen Provinz organisiert. Er sollte zusammen mit einem anderen Doppelkollegen, Schriftsteller und Arzt, lesen. Dazu lockerte ein Gitarrist die formal gestrengen Herren und deren Publikum auf. Den Kollegen konnte man als Lokalmatador bezeichnen, es war ein dort ansässiger, älterer Internist, und Paselke witzelte vom Auswärtsspiel, bei dem die Tore doppelt zählten.

Die Lesung verlief wie er es von früher kannte, mit einer Phase des Warmlaufens, der ersten Unsicherheit, aber als die ersten Pointen saßen, rutschte der Rest von alleine durch das Nadelöhr. Er erzählte von Patienten, die auf die Fragen des Arztes ihrer leeren Colaflasche eine Antwort gaben und dann über den Flaschenhals ein amphorisches Geräusch bliesen, um ihre Visionen zu bekräftigen; er erzählte dem Provinzpublikum von einer Limousine, deren wie durch Zauberhand geschehenes Einparken er vom Aufenthaltsraum der Intensivstation aus beobachtet hatte. Und dann stieg auf der Fahrerseite eine Muslima mit tailliertem Mantel und Kopftuch aus und vom Beifahrersitz offenbar ihre Tochter mit pupertär genervtem Blick und einem nabelfreien Top. Magnetisch folgte sie ihrer Mutter zur Rettungsstelle und später erfuhr Paselkes literarisches Ego in der Geschichte, dass sie dort wegen Unterleibsschmerzen vorstellig geworden und ambulant geblieben war. Harnwegsinfekt, diese typische Entzündung pupertär bekleideter Citygirls kennt keine kulturellen Unterschiede. Und er erzählte von einer Kindheit an der Ostsee wie dort in den 70er Jahren Oberschenkelamputierte mit den damals noch gebräuchlichen Achselstützen ans Wasser krückten, diese in den Sand einwühlten, um dann einbeinig die letzten Meter ins Wasser zu hoppeln. Und wie Paselkes Ego dann später daran denken musste, als seine Geschichtslehrerin von den vielen Krüppeln nach dem Krieg erzählte

man sah viele Krüppel, es ist ein fürchterliches Wort, nicht wahr!

so die Lehrerin und dann schwieg auch sie gerade so wie ihre Schüler. Der einbeinige Kriegskrüppel wird in der Geschichte nicht wieder auftauchen, verschluckt von de Ostsee, in finaler Erwartung

torpedoblauer Haifische

die es in der Ostsee gar nicht gab. Das triviale Ersaufen ersetzte den Heldentod. Auf die „torpedoblauen Haifische” war der Hobbykünstler Paris Paselke besonders stolz gewesen im Erwachen der Erkenntnis nach dem Schöpfungsakt, als ihm klar wurde, welches Sprachbild er gerade erschaffen hatte…

Ja, und dann natürlich sein damaliger, erzählerischer Höhepunkt, die Erzählung von einer klinischen Sektion, die die Suche nach einem Sepsisherd zum Auftrag gehabt hatte und die ihn auch fand: Ein alter Granatsplitter war es gewesen, der den Tod herbeigeführt hatte. Also doch in Stalingrad gestorben. Paselke las und las sich in den Rampenrausach – und war dann fertig. Freundlicher Applaus, kurz und milde, ein Hut wurde gereicht.

Es war niemand von den speziell Eingeladenen erschienen, die man Im Rahmen der sozialen Medien „Freunde“ nennt, nun, der Weg war eben sehr weit, was solls. Wenn auch ein wenig Unterstützung im Auswärtsspiel sicher gut getan hätte. Vielleicht kommt ja aus dem Publikum noch die eine oder andere Nachfrage. Vielleicht hat man doch den Einen oder die Andere angeregt zur Reflexion, in sensitive Unruhe versetzt. Und richtig, da eine Zuhörerin ging geradewegs auf ihn zu. Was wird sie fragen? Ist es die aktuellere Geschichte, die sie zu ihm trieb oder doch die gewaltigeren, den ungeheurlichen Ausschlägen der deutschen Geschichte verpflichteten? Fragt sie gar nach der Möglichkeit eines Bucherwerbs? Paselke beugte sich vor…

Herr Doktor, mein Mann, der hat nämlich Diabetes und ich wollte mal fragen, gerade weil Sie da sind, ob er richtig therapiert wird, ich meine gestern, da ging es ihm schlecht, nur so allgemein…

Paselke blieb natürlich höflich und erledigte diese völlig überflüssige Angehörigenfrage routiniert wie es sich für einen alten, klinischen Hasen gehört. Eines wurde ihm aber erst später klar: Eine Rose mag manchmal gar keine Rose sein, aber ein Arzt bleibt immer ein Arzt, den Menschen von Anbeginn bis zum Ende ins  Bett gelegt wie ein Stofftier und wie eine Grabbeilage.

Aus Paselkes Nachlass

Melancholie

Ein altes, im Lauf der Jahre immer wieder baulich erweitertes Kinderkrankenhaus am Rand der großen Stadt. Diese bauliche Verschachtelung – aufgrund der Abstimmung der verschiedenen Epochen notwendig – führte dazu, dass man von einer normalen Station die Intensivstation nur über den Kellergang erreichen konnte. Fatal bei Ausfall des Fahrstuhls. Dann musste man über den Hof zu einem Seiteneingang laufen…

Eines Nachts bekam ein Kind einen Pseudocroup-Anfall. Und der Fahrstuhl war wieder einmal ausgefallen. Das Kind röchelte und litt. Die Schwester erkannte sofort die Gefährdung, nahm es, wickelte es ein und lief über den Hof zum Seiteneingang der Intensivstation. Was sie nicht wissen konnte: Die vorherigen Nächte waren Unbekannte über das Gelände gestrolcht und deswegen war ab 20:00 der Eingang verschlossen worden. Einen Schlüssel hatte man nicht an die Nachtschwestern verteilt. So stand sie mit dem akut kranken Kind vor der Tür und kam nicht hinein. Sie schrie, sie flehte, schließlich presste sie den Brustkorb des sterbenden Kindes, wie sie es auf einem Reanimationskurs gelernt hatte. Vergebens. In ihren Armen das Kind war tot. Unvorstellbar ist mir ihr Gesicht und sind mir ihre Gedanken, als die Tür sich endlich öffnete und der Arzt fragte, wer denn hier so einen Krach schlüge…

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hirntod

Groß ist mitunter die Einfalt der Menschen und die Liebe zu ihnen gerät dann leicht zu einem ästhetisch-moralischen Hazardspiel.
Ein Kollege berichtete Paselke während der Pause einer Fortbildungsveranstaltung über genau so einen Fall, in dem Trauer und Tragik beinahe durch die ebenfalls in ihr vorhandene schwarze Komik aufgewogen wurde. Und der ging so:
Stell Dir vor Paris! Wir hatten eine junge Patientin nach einem Unfall, eine Patientin aus dem Morgenland, dunkel und schön. Und die hat nun ein Auto einfach umgefahren eine riesige Tragik. Die Familie war am Boden zerstört und wir mussten sie  auf das Schlimmste vorbereiten, mussten immer wieder sagen, dass keine Hoffnung mehr ist. Die Familie war aber träge aus Liebe zu ihrer Prinzessin, wollte und konnte es nicht wahr haben. Außerdem gab es da eine Sprachbarriere. Schließlich glaubten wir, den Weg gefunden zu haben. Glaubten dass sie nun verstanden haben und dann kam der Hirntod über die Prinzessin. Und in der Folge das unvermeidbare Gespräch über Organspende. Wir erklärten nochmals mit Hilfe eines Dolmetschers. Das Wort Hirntod fiel unsererseits und durch  Nicken gab das Familienoberhaupt das vermeintliche Signal, die Endgültigkeit des Hirntods verstanden zu haben. Wir fragten dann nach der Erlaubnis zur Organentnahme. Darüber müsse Familienrat gehalten werden, so das Oberhaupt. Und kam dann wieder mit dem Ergebnis der familiären Beratung: Ja, einverstanden! Wann ihre Tochter das neue Gehirn bekomme?…..

-wie was?

-Du hast richtig gehört, Paris: Die glaubten, wir transplantieren ihrer Tochter ein neues Gehirn und dann steht sie wieder auf und grüßt die Welt!

Das war unfassbar – einfach unfassbar und zugleich tragisch, komisch, lächerlich und schließlich nur noch bemitleidenswert – das aber auf das Unerträglichste. Paris wollte zunächst noch Witze machen, wollte sagen:

Gehirn? Mal sehen welches noch frei ist, ah hier Adolf Hitler..

aber unterlies das dann. Andererseits: Man durfte zwar nicht aber man musste einfach auch lachen. Das gibt es doch gar nicht, das kann man nicht erfinden.

Aber es hat ja niemand erfunden, Paselke nicht und nicht sein Kollege. Die Geschichte war da und wird hier erzählt, weil sie bei aller gebotener Diskretion erzählenswert bleibt. Sie ist in ihrer jeglicher Pietät trotzenden grandiosen Banalität eben lediglich Ausdruck jenes merkwürdigen Prozesses, den man ganz allgemein Leben nennt und den der Tod beendet, der ständig abläuft, roh und brutal und ohne ein irgendwie zu nennendes Ziel; ein Prozess mit kreuz und quer, vor und zurück, saltoschlagenden und vor allen Dingen sich selbst und/oder andere auslöschenden Impulsen. Ein sinnfreies Spiel der Tragik, der Komik und des Resultats aus beidem: Der Gleichgültigkeit.

Hier also zum Beispiel eine sinnlose Geschichte über eine totgefahrene Prinzessin. Und die Familie hatte naiverweise gehofft, sie mit Hilfe eines fremden Gehirns wieder zu bekommen. Und mit welcher Gleichgültigkeit die Tatsachen über diese unwissende, naive Hoffnung hinweg gingen, ja sie gewissermaßen überrollten. Paselke fragte sich, in welcher Gemütslage sein Kollege der Familie das Mißverständnis aufgeklärt hatte. Gelacht, geweint, beides? Und er bewunderte insgeheim jeden Arzt, der bei solchen Gelegenheiten mit stoischem Gleichmut einfach nur seinen Job machen konnte. Mein Gott,…

Übrigens: Als der Familie ihr Mißverständnis erläutert worden war, lehnte die eine Organentnahme dann ohne weitere Bedenkzeit ab.

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Kinder an Sterbebetten

1

Es war Paselkes erster Tod. Sein Großvater war alt und älter geworden und war nun am Ende angelangt. Denn ein Blutgerinnsel – ausgestoßen aus dem unregelmäßig schlagenden, eigentlich nur noch vibrierenden Herzvorhof – hatte sich auf den Weg zur Vernichtung gemacht, indem es ein zentrales Gefäß der rechten Gehirnhälfte einfach verstopft und damit stillgelegt hatte. Diese Verblockung des Weges hatte schweren Schaden bewirkt, hatte zentrale Regionen jenes merkwürdigen Steuerungsorganes, in dem sowohl unwillkürliche Bewegungen und Äußerungen, der Schlaf und die Träume als auch Reaktionen auf die Zumutungen der Welt wie etwa große Gefühle und politische Überzeugungen ihren Ursprung und Anlass haben, einfach ausgeschaltet.
Das hatte zu einer sogenannten Halbseitenlähmung geführt – auf der anderen Seite, der linken Körperhälfte – zu Schluckstörungen, zu einer motorischen Sprachstörung, die die Mediziner Dysarthrie nennen. Kurzum: Das Gerinnsel hatte Paselkes Großvater mit einem Schlag auf Reste des Daseins zurückgefahren und weil dieses Zurückfahren so unerwartet plötzlich geschieht, so schlagartig, hat diese Erkrankung, die die Mediziner Apoplexia cerebri nennen, ihren Trivialnamen über Sprachen hinweg behalten: Der Schlaganfall, der Schlagfluß, englisch the stroke.

Da lag er nun, ein hilfloser Pflegefall, ein ehemaliger SS-Mann und stöhnte. Seine Dysarthrie formte Fragen:
– Wa willu wern?
Paselke verstand nichts aber seine Mutter, die Zeit ihres Lebens Angst vor Entdeckung ihres genealogischen Zusammenhangs hatte und die an die strikte Bürgerlichkeit mit akademischer Berufskarriere als einzigen Schutz vor dem Anderssein glaubte, antwortete an seiner statt mit ihrem Traum:
– Paris wird Arzt und John wird Lehrer – Vater!
Sie, die Schwarzhaarige, sagte Vater zum ehemaligen Herrenreiter.

2

30 Jahre später. Paselkes Tochter wollte noch einmal Tante Cora sehen, die nun schon lange als Pflegefall in einem Heim lag. Tante Cora war eigentlich ihre Großtante, die kinderlose Schwester von Paselkes Vater, also Paselkes Tante, also die Tochter vom Herrenreiter. Sie wurde von den Großnichten Coraoma genannt.
Coraoma war lange als Kind krank gewesen und zwar so krank, dass sie in Gefahr stand, im Rahmen der Aktion T4 getötet, vergast zu werden. Ihr Vater hatte als Naziarzt von der Aktion Wind bekommen und handelte entsprechend. Cora wurde zu einem der Bewegung immer fern gebliebenen Freund nach Berlin geschickt: Schreib das Kind gesund sonst ist es des Todes! So überlebte Cora. Und so erklärt es sich, dass Paselkes Großvater, jener Herrenreiter, an dessen Sterbebett er einst gestanden hatte, seit dem Herbst 1939 keinerlei Aktivitäten mehr in seiner Naziakte vorzuweisen hat.
Absurderweise, denn das 20. Jhd. war absurd und machte die Menschen zu absurd handelnden Gespenstern, war es aber Cora, die ihrem Herrrenreitervater immer dankbar blieb, während doch eigentlich er Anlass zur Dankbarkeit gehabt hätte. Denn wer weiß, worauf er sich nach 1939 noch eingelassen hätte, wenn die schwere, epileptische Erkrankung seiner Tochter ihn nicht hätte erkennen lassen, wem er sich da verschrieben hatte. Denn so war es in der Summe: Ihre Krankheit ließ ihn erkennen. Es muß ja durchaus nicht immer die eigene Krankheit sein, die zur Erkenntnis und zum Zweifel führt. Das nur so nebenbei.
Nun also, nach diesem Leben, besuchte die Urenkelin des Herrenreiters dessen sterbende Tochter.

Und das Sterben im Pflegeheim ging so:

Da war ein Bild des Vaters/Großvaters/Urgroßvaters auf dem Nachttisch aufgestellt, und Coraoma, die gedreht werden mußte, sah ihrem Vater, der sie einst rettete – nein anders herum, den sie einst gerettet hatte – mal ins Gesicht, mal sah sie die kahle Wand und dann wieder die Zimmerdecke. Reden tat sie nicht mehr, nur das passive Drehen war ihre Abwechslung: Wand – Zimmerdecke – Vater – Wand – Zimmerdecke – Vater immer im Dreistundentakt.

Coraoma starb dann mit dem Gesicht zur Wand. Der Vater auf dem Nachttisch lächelte spöttisch und leise hinter ihrem Rücken…

Aus Paselkes Kindheit

Paselkes erste Religionslehrerin war eine ihre Mutter pflegende, alleine lebende Lesbe, die dem damaligen Stand der gesellschaftlichen Aufgeklärtheit entsprechend niemals Hand in Hand mit ihrer Sehnsucht durch ihre Heimatstadt laufen konnte. Statt dessen Gott.
Den Kindern – egal welcher Konfession – erzählte sie vom liebend strafenden Herrn.

-Für Gott sind wir nur ein Atemzug, weniger als ein Hauch. Er hält uns Winzlinge in seiner schützenden Hand, weil er uns liebt!

Paselke wunderte sich noch, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen der körperlichen Größe einerseits und der Zeitempfindung bzw. der Atemfrequenz anderseits gab. Da schloß sie schon ihre gegen die Klasse ausgestreckten, geöffneten Hand zur Faust. Und in ihren tränensackgerahmten,  geröteten Augen sah man den ebenso freudig-erregten wie bangen Wunsch, dereinst – wenn die Zeit sich dehnt – auch in Gottes großer und gütiger Faust zu liegen. Mit den Worten

-Seiner Gnade dürfen wir gewiss sein!

endete ihre religiöse Belehrung und neben den Händen schlossen sich nun auch für wenige Sekunden – für einen Atemzug nur – ihre entzündeten Augen.

 

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Philosophie

Zahnkrank fuhr Paselke Silvester Notarztwagen. Sein erster Patient war ein junger Mann, der angeboren massiv zerebral beeinträchtigt war, der nicht sprechen, nicht nachvollziehbar kommunizieren und nicht willentlich handeln konnte. Er hatte weiterhin Probleme bei den einfacheren Tätigkeiten wie etwa dem Schlucken, was zu immer wiederkehrenden Aspirationen führte und in der Folge zu teilweise ausgedehnten Lungenentzündungen.
Das war nun erneut geschehen und Paselke fuhr mit der Rettungassistentin Sandra den Patienten ins Krankenhaus. Sandra erzählte auf der Fahrt von einem Freund, der nach einem Unfall körperlich ähnlich schwer betroffen ist, ab Halswirbel 4 abwärts gelähmt, was bedeutet, dass neben dem kompletten Funktionsverlust der Beine auch die Arme deutlich in der Bewegung und der Kraft eingeschränkt sind. Dazu Sprachstörungen, da überdies eine unfallbedingten Hirnblutung vorgelegen hatte. Aber klaren Kopfes, somit sich seiner beschissenen Situation bewußt. Sandra schaute dann, nachdem sie die Geschichte erzählt hatte, auf den luftnötigen Patienten vor Ihnen und sagte:

Er leidet auch, aber er philosophiert wenigstens nicht!