The 140 characters-rap

Klampfenspiel mit Sohn – erster Versuch

Am                                 Dm
I explain the world in 140 signs!
Am                             G
One thing is clear: The world is mine
Am                             Dm
the whole world is under my thumb!
G                                      Am
That is my truth! says Donald J Trump.

Make reality great again!

Wenn es so etwas wie Wirklichkeit gar nicht gibt, wie kann man sie dann abschaffen? Aber genau das passiert ja gerade. Die Abschaffung der Wirklichkeit und der Ersatz des Abgeschafften durch eine Psychose, durch Verrücktheiten.

Diese Abschaffung ist dabei nichts anderes als der Existenzbeweis durch Zerstörung. Denn was man erst zerstören muss, damit es aufhört, hat zuvor notwendig existiert.

Make Reality great again!

Der große Stumpfsinn

Die Sehnsucht nach dem Thrill und der Jammer am nächsten Morgen

Eines kann man der Gegenwart sicherlich nicht vorwefen: Dass sie langweilig sei. Die Sehnsucht so mancher, mit Hilfe stumpfsinniger aber realer Nervenkitzel dem öden Dasein zu entfliehen, wird dazu beigetragen haben und wird weiter dazu beitragen. Politik ist einfach besser geeignet, das kleine Dasein groß werden zu lassen, als Bungee-Jumping. Was? Der derzeitige, gesellschaftliche Irrsinn einzig eine Reaktion auf die Langeweile? Nun, nicht einzig. Aber einen Anteil hat dieser Mechanismus durchaus. Die wichtige Rolle der im übersatten Zustand erlebten und erlittenen großen Langeweile  in der Ätiologie des ersten Weltkrieges zum Beispiel war Thomas Mann schon klar. Enthemmte Überreizung mit finaler Explosion sollte der Langeweile Einhalt gebieten und sie tat es dann ja auch gründlichst.

Aktuell interessiert mich eine Frage besonders: Wie fühlt sich eine Gesellschaft im  Moment der Erkenntnis? Wenn ihr klar wird, dass ihre Sehnsucht nach dem enthemmten Thrill vor dem eigenen Dasein einen Verückten nach oben gespült hat? Den man erst ein mal nicht los wird? Für dessen irre Machtbedürfnisse man aber jetzt zuständig ist? „Der Wahn ist kurz, die Reu´ ist lang…“ das wusste schon Friedrich Schiller. Die Mahnung vor dem Kater nach dem Rausch war stets die letzte Wiese der Pädagogik. Und Pädagogik ist unsexy.

Für Spannung ist folglich weiter gesorgt, denn unsexy – jetzt kommt die Floskel des Jahrzehnts – unsexy, „das geht gar nicht“…

Thomas Mann

am 3./4. Dezember 1936 an seinen Sohn Klaus über seine Eindrücke beim Lesen des Romans „Mephisto“:

„Mit Mielein [Katia Mann, geb. Pringsheim, HF] stimme ich darin überein, daß das Gelungenste und kritisch-erzählerisch Glänzendste die Schilderungen aus dem Berliner Theater- und Literatenleben von vor dem Umsturz sind. Aber freilich muß man sich gerade unter dem Eindruck dieses witzigen Bildes fragen: Wenn es so war, so albern und so korrupt, konnte es dann so fortgehen, und mußte nicht etwas anderes kommen, vielleicht notwendig das, was kam? Diese Frage ist gefährlich, und der Republik geschieht doch wohl unrecht damit.“

thomas-mann

Diese Fragen sind auch heute zu stellen. Wenn unsere „Debatten“ (die diesen Namen doch wohl nur in dickste Anführungszeichen eingekleidet verdienen) etwa über Kinderbuchübersetzungen, Gender-Suffixe oder vegane Ernährung so „albern und so korrupt“ sind, wie sie sind, und mit so verrückter Vorwürflichkeit geführt werden – hier wie auch drüben auf der anderen Seite des Atlantks – , und wenn weiterhin diese Anklage-„Debatten“ einzig wahrgenommener Ausdruck einer sonst zunehmend rein dysfunktionalen und öden Demokratie sind, ist dann nicht eine fatale Entwicklung der politischen Landschaft folgerichtig? Muss dann „nicht etwas anderes kommen, vielleicht notwendig das, was kam“?

Anstatt hierauf gleich wieder pawlowartig mit social-media-Schlagworten (Eliten-bashing, Minderheiten-Bashing, Abgehängte usw.) zu „antworten“, wäre eine mehrminütige Denkpause sicher sinnvoll.

Wir wollen doch hoffen, dass der Republik, der Demokratie insgesamt „unrecht damit“ geschieht. Aber ganz sicher bin ich mir nicht. Mir kommen diese aufgezwungenen „Debatten“ genauso vor wie der aufgezwungene „Antifaschismus“ der DDR, dessen initial aufklärerischer Impetus zur Rechtfertigung von Unrecht und Distinktion wurde. Und der deswegen ja bekanntlich folgenlos verhallte.

Acht Jahre Unterschied

2008 – Yes, we can!

2016 – the Trumpet can!

Dazwischen liegen acht Jahre. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass sich in diesen acht Jahren die Bevölkerung eines Landes grundsätzlich ausgetauscht hat. Stichhaltiger ist hingegen die Annahme eines zutiefst gespaltenen Lands, dessen eine Hälfte sich 2008 mehrheitlich ausdrückte, während 2016  die andere Hälfte jubelt.

Aber noch etwas fällt auf: 2008 war eine fast messianische Erwartung an Barack Obama in der Luft. Yes, we can! Barack Obama sprach die an, die bis dato keine Stimme hatten und nie angesprochen wurden. Ein revolutionärer Vorgang, denn alle Revolutionen sprachen „die im Dunklen“ an, die vorher Unsichtbaren. Irritierenderweise ist das 2016 von der anderen Hälfte aus gesehen genauso und Donald Trump hat das instinktsicher auch sofort erkannt. Sein erster Tweet nach dem Sieg lautete:

„Such a beautiful and important evening! The forgotten man and woman will never be forgotten again. We will all come together as never before“

Genau das ist die Sprache des messianischen Revolutionärs. Ich, der Revolutionär Donald Trump, hole die Vergessenen ans Licht. Freilich ist es diesmal eine Revolution ohne Idee, eine Revolte mit rassistischem Zungenschlag, gegen die Vergessenen des Jahres 2008. Diesmal jubelt eine ganz andere Gruppe von Gläubigen dem ganz anderen Heilsbringer zu. Wie gesagt: Eine Revolte ohne Idee! Vor nichts aber muss man mehr Angst haben als vor einer Revolution „ohne Idee, gegen die Idee“ (Thomas Mann). Mein Gott –

Quo vadis Tellus?

tellus

Trump

statt Veggieday oder gendergerechte Endungen in Amtsblättern. Heute, am 09. November 2016, sind manche Filterblasen der letzten Jahrzehnte geplatzt. Unbemerkt von unseren ewig guten Gendertröten und ihren asthenischen Brüderinneninenen und Schwesterinnenenen (habe ich eine Silbe vergessen? Das täte mir leid!) der Veggiefront hat sich am anderen Ende des politischen Spektrums ein Orkan zusammen gebraut. Ein Orkan dessen Namen Populismus ist. Jetzt müssen – oh Schreck, oh Graus – unsere vorwissenschaftlichen Genderdussels doch tatsächlich um ihre Förderkohle bangen, zuletzt gar noch arbeiten gehen, statt haltloses Zeugs in die Welt zu setzen. Wenn es nicht so traurig wäre, man müsste sich den Bauch halten vor Lachen…

„It can´t happen here“ ? – it could. Und die Genderdussels und andere Schmalspurintellektuelle werden kaum in der Lage sein, ihren Eigenanteil daran zu erkennen. Schuld ist ein mal mehr das Schweinefleisch…