Projektionsraum BURKA

Ich bin lediglich aus pragmatischen Gründen gegen ein Burkaverbot, nicht aus inhaltlichen. Wer sollte das kontrollieren? Die Burkapolizei? Am Strand Nizzas fand dieser pragmatische Ansatz just seine Bestätigung.

Unglücklich aber bin ich ein wenig mit der Tendenz, Befürworter eines Verbotes eo ipso als Ausdruck irgendeiner repressiven Grundhaltung zu sehen. Wo es doch die Burka selbst ist, die das Repressive in sich trägt (nicht unbedingt unter oder hinter sich, das macht dieser Artikel, auf den ich mich unter anderem beziehe, deutlich).

Ein wenig geht leider – sicherlich ungewollt – die Überschrift dieses Artikels auch in diese Richtung. Denn sie korrespondiert mit einem berühmten Zitat Jean Paul Sartres: „Wenn es den Juden nicht gäbe, würde ihn der Antisemit erfinden.“ (aus: „Überlegungen zur Judenfrage“)
So könnte man wegen dieser literaturgeschichtlichen Korrespondenz auf die Idee kommen, die Burkaverbieter bräuchten die Burka wie die Antisemiten die Juden, nämlich jeweils um eigene Vorurteile bestätigt zu bekommen. Und wenn die Wirklichkeit die Bestätigung nicht her gibt, wird sie eben den Vorurteilen angepasst.
Nun, das mag für einige Burkaverbieter zutreffen, die nicht die Burka, sondern eine gesamte, gesellschaftliche Gruppe meinen und treffen wollen. Die springen natürlich auf den Burkazug wie auf alle anderen Züge von und nach Köln auf. Aber mitnichten für alle, die die Burka kritisch sehen.
Es trifft hingegen sicherlich für alle Antisemiten zu. Deswegen finde ich den unfreiwilligen „literaturhistorischen Vergleich“, der im Titel und letzten Satz des ansonsten sehr guten Textes steckt, nun ja, ein wenig unglücklich. Vielleicht bin ich selbst da auch ein wenig überempfindlich.
Jedenfalls: Antisemiten meinen immer den bewusst singularisierten „ganzen Juden“, alle Kritiker der Burka hingegen keineswegs immer „den ganzen Muslim“. Auch das ist zu sehen, wenn man, wie Anselm Bühling im Diskussionsstrang bei tell richtig fordert, die „Substanz der Gesellschaft“ erhalten will.

So kann man zusammenfassend sagen, dass die Burka nicht nur für die Verbotsapologeten sondern auch für deren Gegner einen unbekannten Projektionsraum darstellt. Man weiß in der Tat nicht, was dahinter steckt. Hinter der Burka nicht, aber auch nicht hinter den öffentlich geäußerten Meinungen. Geht es um Aufklärung oder um Ressentiments? Die sich aber eben sowohl hinter dem Verbotswunsch als auch hinter dem laissez faire verbergen können.

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3 Gedanken zu „Projektionsraum BURKA

  1. Nun kann man allerdings bei jedem Delikt fragen: Wer soll das kontrollieren? Vermutlich die Polizei und ggf. die patrouillierenden Ordnungsämter. Und bei entsprechenden Verstößen läßt sich das Delikt sanktionieren. Möglicherweise mit unangenehmen Folgen, aber das ist bei der Durchsetzung von Gesetzen nun einmal so. Zudem sollte sich die Burkaträgerin fragen, weshalb sie gegen diesen Wunsch eines Staates, sich nicht komplett zu verhüllen, verstößt. Eine interessante Frage, wie mir scheint.

    Ansonsten kann man bei der Einreise auf Flughäfen und vor Ankunft in der BRD diese Regel bekanntmachen. Wer an Bord mit Burka sitzt, wird wieder zurückgeschickt. So wie das auch die US-Einwanderungsbehörden aus sehr viel geringeren Anlässen tun.

    Deine Unterscheidung allerdings ist richtig. Es geht nicht gegen alle Moslems, sondern lediglich gegen die grausamste Ausprägung des Islams. Wer diese Art des Islam leben will, hat durchaus Möglichkeiten, das zu tun. Nur nicht hier. Angesicht einer signifikant zunehmenden Zahl von Burka-Trägerinnen, was auch durchs politische und wirtschaftliche Erstarken der Golfstaaten bedingt ist, scheint mir für Europa ein deutliches Zeichen gegen diese totalitäre und vor allem auch politische Tendenz geboten. Denn die Burka ist kein religiöses, sondern ein politisches Zeichen. Und Gesetze haben immer auch eine symbolische Kraft und sie sind ebenfalls Zeichen. In diesem Falle ein Zeichen gegen politische Kräfte, die unter dem Deckmantel der Religion agieren. Denn im Koran steht nichts von einer Burka. Auch daran sollten wir immer wieder bei dieser Debatte erinnern. Auch jene Muslime, die in der Moderne und in Europa vom Denken her nie angekommen sind.

    Ich denke nicht, daß die Burka ein Projektionsraum ist. Denn wir alle wissen sehr genau, was mit ihr verbunden ist. Ein terroristischer, totalitärer, politischer Islam, und in den harmlosen Varianten eine tief reaktionäre Form desselben. Und dazu vor allem die komplette Entrechtlichung und Verbergung der Frauen, die unsichtbar gemacht werden sollen.

    Interessant aber vor allem, wie nun gerade auf seiten einer bestimmten Linken, die gar nicht genug Witze über Fantaflecken beim Papst machen kann, die Freiheit der Religion hochgehalten wird. Man sollte diese Leute dann bei der nächsten Zölibat-Diskussion und bei Debatten darüber, ob Frauen Priester werden dürfen, an ihre Haltung zur Burka erinnern. Denn dann muß es auch hier das Recht der katholischen Kirche sein, über ihre eigenen Satzungen zu verfügen.

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  2. Pingback: Die Burka gehört nicht zu Europa – weshalb aus kulturgeschichtlichen Gründen ein Burkaverbot unerläßlich ist | AISTHESIS

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